DIE LÖSUNG FÜR DAS LEIDEN DER MUSLIME IST DIE GRÜNDUNG DER TÜRKISCH-ISLAMISCHEN UNION

EINFÜHRUNG


Der Niedergang des osmanischen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ein wichtiger Faktor zur Bestimmung der Lage der Islamischen Welt. Aus den Überresten des osmanischen Reiches gingen zahlreiche Staaten hervor, von denen allerdings kein einziger die Ruhe und Stabilität des osmanischen Reiches wiederfand.
Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts harren in vielen Regionen der Welt Probleme einer Lösung und die verschiedensten Auseinandersetzungen erfordern Kompromisse. Das Kräfte-Gleichgewicht, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstört wurde, ist noch nicht wieder hergestellt und die heutigen politisch sensiblen Regionen befinden sich mehrheitlich in der Islamischen Welt. Für einen Teil dieser Probleme fand sich ein vorübergehendes Einvernehmen, in anderen Regionen dauern gewalttätige Auseinandersetzungen an.

Eine Zeremonie zu Ehren von Schah Abbas I aus der Dynastie der Saffawiden.

Ein wichtiger Teil der Probleme, die auf eine Lösung warten, bezieht sich auf Regionen, in denenmehrheitlich Muslime leben, wie in Palästina und Kaschmir. Aufgrund von Propaganda, die die Muslime beschuldigt, bemühen sich die Verfechter des Zusammenpralls der Zivilisationen, deren Stimmen in letzter Zeit zunehmen, die Islamische Welt als Zielscheibe darzustellen. Dies führt zu weiteren Spannungen und zum Anstieg der Besorgnis. Dies wirft erneut die Frage auf, welche Strategie die Muslime im 21. Jahrhundert verfolgen sollten.
Die Definition dieser Strategie erfordert jedoch zunächst das Verständnis der Situation, in der sich die Islamische Welt heute befindet. Denn zutreffende Feststellungen legen den Ansatzpunkt der zu ergreifenden Strategie fest und gewährleisten die Wirksamkeit der zu ergreifenden Massnahmen.
Die Islamische Kultur, die von den drei großen Reichen der Osmanen, Safawiden und Mogulen im 16. und 17. Jahrhundert vertreten wurde, war die vorherrschende Kraft in Asien und Afrika. In Indien gab es das Mogulenreich und in Persien herrschte die safawidische Dynastie. Das größte Reich war das osmanische, dessen Herrschaftsgebiet vom Balkan und der griechischen Halbinsel über Anatolien, Mesopotamien der arabischen Halbinsel bis nach Nordafrika reichte. Die Islamische Herrschaft wurde jedoch zunehmend schwächer. Im 18. Jahrhundert zerfiel zunächst dasMogulreich, damit begann für die Muslime Südasiens ein Neuanfang; Der indische Subkontinent fiel unter englische Kolonialherrschaft. Indochina, das heutige Vietnam, wurde von den Franzosen kolonisiert. Die Nachfolger des safawidischen Reiches, die Dynastie der Katscharen, existierte bis in die 1920er Jahre, hatte ihre Autorität jedoch schon lange zuvor verloren. Sie fiel unter englische und russische Herrschaft. Gleichzeitig wurde das osmanische Reich, das über 600 Jahre lang die einflußreichste Kraft in der Region gewesen war, durch ständige Gebietsverluste immer schwächer und zerfiel vollständig nach dem 1. Weltkrieg.
Der Niedergang des osmanischen Reiches führte vor allem im Mittleren Osten und auf der arabischen Halbinsel zu historischen Veränderungen in den Islamischen Gebieten. Die Nationalstaaten, die von ausländischen Mächten gegründet wurden, waren der Ausgangspunkt für Unruhe und Spannungen in dieser Region, die das gesamte 20. Jahrhundert andauerten. In der Islamischen Welt mit ihrer tief verwurzelten Kultur begann eine Phase der Abkapselung. Muslime wurden nicht nur im Mittleren Osten, sondern auch in Nordafrika und Südasien von den Kolonialmächten unterdrückt. Die große Mehrheit dieser Länder gewann erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit. Die Phase des Unabhängigkeitskampfes war für viele Länder äußerst blutig, Algerien sei hier als das im Westen bekannteste Beispiel genannt. Auch nach dem Abzug der Kolonialmächte konnten Ruhe und Sicherheit nicht gewährleistet werden. Das 20. Jahrhundert war für die Mehrheit der Islamischen Welt ein Jahrhundert, das geprägt von Spannungen, Armut und Krieg.
Allerdings war die Islamische Welt nicht immer in dieser Situation. Untersucht man die Geschichte von eineinhalb Jahrtausenden, dann ergibt sich ein ganz anders Bild: Der größte kulturelle und wissenschaftliche Aufstieg der Menschheit geschah mit dem Islam. Während die westliche Welt noch im Dunkeln lag, hatten Muslime die bewunderungswürdigsten Kulturen geschaffen und die Islamische Moral wurde zu einem welterleuchtenden Licht.

Die Karte zeigt die Grenzen der drei großen Islamischen Reiche der Saffawiden, der Mughalen und der Osmanen.

DER ISLAM: DAS LICHT, DAS DIE WELT ERLEUCHTET



Vor der Verkündigung des Islam herrschte Unwissenheit in der arabischen Welt.
Die Religion des Islam entstand vor 14 Jahrhunderten auf der arabischen Halbinsel. Mit der Göttlichen Offenbarung des Quran an den Propheten Muhammad (s.a.w.s) und mit der den Menschen verkündeten Islamischen Moral lernte die von Gewalt, Unwissendheit und Barbarei geprägte arabische Gesellschaft Frieden, Klugheit und Kultur.
Zuvor gab es zahlreiche unterschiedliche Stämme, die jeweils andere Götzen verehrten. Wegen dieser "Religionen" führten sie Kriege, in deren Verlauf sie sogar Kinder töteten. In diesem System des Aberglaubens wurden nicht Liebe, Barmherzigkeit und Toleranz gepredigt, sondern Unbarmherzigkeit, Haß und Gewalt. Frauen betrachtete man als unterlegene Wesen, Arme und Sklaven wurden unterdrückt.
Diese düstere und blutige Welt änderte sich völlig mit dem Aufkommen der Islamischen Moral. Darüber hinaus wurden nicht nur die Araber, sondern zahlreiche andere Völkerschaften vom Licht der Islamischen Moral erleuchtet. Mit dem Herabsenden des Islam erlebten Wissenschaft, Philosophie und Kunst einen vorher nicht gekannten Aufschwung.

Der Islamisch Einfluss 800-1200

Mit dem Vers "Lies! Im Namen deines Herrn, Der erschuf. Erschuf den Menschen aus einem sich Anklammernden. Lies! Denn dein Herr ist gütig, Der durch die (Schreib-)Feder gelehrt hat. Den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste." (Sure al-Alaq, 1-5) den Gott dem Propheten (s.a.w.s) offenbarte, forderte er die Araber, die in dunkler Unwissenheit und einem Teufelskreis von blutiger Gewalt lebten, zum ersten Mal zur Besinnung und zum Nachdenken auf.
Die arabische Gesellschaft änderte sich völlig mit dem Islam. Zum Beispiel erforderte es die Tradition der Araber, alle Kriegsgefangenen zu töten. Unser Prophet (s.a.w.s) jedoch befahl, die Gefangenen gut zu behandeln und ihnen vom Essen der Muslime zu geben; dabei stützte er sich auf die Richtlinien, die ihm Gott offenbart hatte. Im Quran teilt Er den Gläubigen diese Besonderheiten in dem Vers mit: "Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung selbst bedürfen." (Sure al-Insan, 8). Von den Gefangenen, die des Lesens und Schreibens kundig waren, wurde erwartet, daß sie ihr Wissen an die Muslime weitergaben. Arabien machte zum ersten Mal Bekanntschaft mit zivilisiertem Verhalten und Tugenden wie Barmherzigkeit und Vergebung und erlebte eine der größten kulturellen Blüten, die es in der Geschichte der Menschheit je gab.Im Lauf der Jahre verbreiteten sich die Gerechtigkeit des Islam und dessen hohe Moral über ganz Arabien. Die Gerechtigkeit, der Mut und die Entschlossenheit der Muslime waren für zahlreiche arabische Stämme Anlaß, sich zum Islam zu bekennen. Das Islamische Heer, dem sich keine Kraft mehr entgegenstellen konnte, zog 630 in Mekka ein. Weil sie zuvor zahllose Grausamkeiten begangen hatten, fürchteten die Heiden Mekkas die Rache der Muslime. Nach arabischer Tradition wurden die Männer des im Krieg unterlegenen Stammes enthauptet und deren Frauen und Kinder in die Sklaverei geführt. Die Heiden Mekkas waren sicher, daß ihnen dies nun zustoßen würde. Doch die endlose Barmherzigkeit Gottes manifestierte sich im Propheten Muhammad (s.a.w.s). Er verkündete, dass Rache an den Bewohnern Mekkas verboten sei und daß niemand gezwungen sei, Muslim zu werden. Diese Großherzigkeit und Toleranz erregte auch die Aufmerksamkeit westlicher Historiker. Michael Sells, Lehrbeauftragter an der Haverford Universität drückt die hervorragende Moral des Propheten (s.a.w.s) folgendermaßen aus:
Nicht nur daß der Prophet Muhammad bei seinem Einzug in Mekka in keiner Weise einen blutigen Rachefeldzug durchführen wollte, er umarmte auch noch die Mekkaner, gegen die er drei Jahre lang Krieg geführt hatte, und die ihm nach dem Leben trachteten. Dies war für die Menschen dieser Zeit ein bewunderungswürdiges Verhalten. Das war sicherlich eine große Hilfsbereitschaft, außerordentliche Höflichkeit und Barmherzigkeit. 1
Wichtig war, daß der heidnische Glaube der Mekkaner verschwunden war. Die Muslime wandten sich nach Einnahme der Stadt direkt der Kaaba zu. Sie betraten das Gotteshaus und zerschmetterten die Götzen. Gemeinsam mit den Götzten wurden auch der unselige Glaube der Mekkaner und die in dessen Namen begangenen Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, die Barbarei und die Zügellosigkeit vernichtet. In Arabien, das nun von der Quranischen Moral durchdrungen wurde, verschwanden alle Ungerechtigkeit, Unterdrückung und die Blutrache. Die Menschen richteten eine auf Achtung, Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit basierende Ordnung ein.
Aus diesem Grund nannten die nachfolgenden Generationen diese Zeit "Asr-i saadet" - "Zeit der Glückseligkeit".
DIE TOLERANZ, GERECHTIGKEIT UND BARMHERZIGKEIT DER ISLAMISCHEN MORAL
Der rasche Aufstieg des Islam setzte sich auch nach dem Tod des Propheten Muhammad (s.a.w.s) fort, breitete sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten in ganz Mesopotamien und Nordafrika aus und erreichte schließlich im Westen Spanien und im Osten Indien.
Die Araber, die noch vor wenigen Jahren in den Steppen Arabiens Viehzucht betrieben, wurden durch die Vernunft, die Kultur und das durch den Islam gewonnene Bewußtsein zu Verwaltern eines großen Reiches. Dies war ein in der Geschichte bislang nie dagewesener Aufstieg.
In dem riesigen Gebiet lebten zahlreiche unterschiedliche religiöse Glaubensgemeinschaften, allen voran Juden und Christen. Die Muslime erwiesen sich gegenüber den in den eroberten Gebieten lebenden Glaubensgemeinschaften als äußerst tolerant. Entsprechend der Bestimmung unseres Herrn "Kein Zwang im Glauben…" (Sure al-Baqara, 256) wurde niemand gezwungen, die Religion zu wechseln, und dem Gewissen eines jeden erwies man Achtung. Kirchen und Synagogen wurden sorgfältig geschützt, und in einer Zeit, in der erzwungene Religionswechsel häufig waren, war die Toleranz der Muslime ohnegleichen.
Eines der auffälligsten Beispiele von Islamischer Toleranz ereignete sich bei der Eroberung Jerusalems. Der Patriarch der Kirche des Heiligen Grabes der Stadt befürchtete, daß die Muslime die Kirche zerstören würden. Doch der Kalif Omar stattete der Kirche einen Höflichkeitsbesuch ab und erklärte, es bestehe kein Grund zur Sorge. Zur Gebetszeit bat er den Patriarchen um Erlaubnis, entfernte sich etwas von der Kirche und verrichtete sein Gebet. Genau an diesem Punkt, an dem der Kalif Omar sein erstes Gebet in Jerusalem verrichtet hat, wurde die El-Aksa Moschee erbaut. Damit errichteten die Muslime eines der stattlichsten architektonischen Werke der Welt in Jerusalem. Die Kuppel entstand genau über dem Stein, von dem der Überlieferung nach der Prophet Muhammad (s.a.w.s) in den Himmel gefahren ist.

Felsendom

Die Kuppel mit ihren unvergleichlichen Motiven und ihrem Goldglanz ist zugleich Ausdruck des Kunstverständnisses und der Kultur des Islam.
In dieser toleranten Atmosphäre erhielten auch die Nichtmuslime ein Recht auf Kritik an den von ihnen bemerkten Fehlern der Obrigkeit. Zur Zeit der umaiyadischen Kalifen hatten in Damaskus zahlreiche Christen hohe Staatsämter inne, durften ihre religiösen Pflichten erfüllen, und einige verfassten ohne Werke, die Fehler und Mängel kritisierten, ohne dass ihnen dadurch Nachteile entstanden.
Europa hingegen war zu dieser Zeit von finsterem Fanatismus und von Barbarei beherrscht. Die katholische Kirche übte auf Juden und Christen anderer Glaubensrichtungen großen Druck aus. Erzwungener Religionswechsel, Folter und Mord im Namen der Religion waren normale Praktiken in der westlichen Welt dieser Zeit. Die Muslime dagegen verhielten sich gegenüber den Anhängern der Buchreligionen stets tolerant und barmherzig. Die Kirche des Heiligen Johannes, die sich in Damaskus befindet, ist ein Beispiel dieser Toleranz. Die Muslime, die die Gegend erobert hatten, begannen das Freitagsgebet in der Kirche zu verrichten, die jedoch immer noch Christen gehörte. Diese gingen frei von jedem Zwang sonntags ihren religiösen Pflichten nach. Die Anhänger beider Religionen benutzten die gleiche Gebetsstätte gemeinsam und in Frieden.
Als die Anzahl der Muslime in der Stadt anstieg, kaufte die Islamische Verwaltung mit Erlaubnis der Christen die Kirche. Unmittelbar neben der Kirche wurde eine Moschee errichtet und der Innenhof mit Islamischen Motiven geschmückt. Auf den von den Byzantinern übrig gebliebenen Säulen entstand das erste augenfällige Beispiel Islamischer Kunst.
Die Muslimische Toleranz gegenüber Juden und Christen dauerte an. Die Juden, die vor der Inquisition Spaniens flohen, fanden auf osmanischem Boden Sicherheit und Toleranz. Die Quelle der Toleranz, die Muslime Juden und Christen gegenüber an den Tag legten, ist die Moral des Quran. Denn Gott hatte den Muslimen im Quran befohlen, sich den Anhängern der Buchreligionen, den Juden und Christen gegenüber, wohlwollend zu verhalten:
Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift, es sei denn auf beste Art und Weise, außer mit jenen von ihnen, die unrecht handeln. Und sprecht: "Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe. Und Ihm sind wir ergeben." (Sure al-Ankabut, 46)
MUSLIME UND WISSENSCHAFT

MUSLIMISCHE WISSENSCHAFTLER

1 Ibn an-Nafis
2 Thabit ibn Qurra
3 Ibn Sina
4 Al-Kindi
5 Abu al-Qasim al-Zahrawi
6 Muhammad Zakariya ar-Razi
7 Ali Kushji
8 Al-Battani


Ali Kushji, unterstützt von Sultan Mehmet II, war berühmt für seine astronomischen Forschungen.
Eines der Lichter, mit denen die Moral des Islam die Menschen erhellt, ist das wissenschaftliche Denken.
Vor dem Islam hatten die Araber und andere Gesellschaften des Mittleren Ostens keinerlei Interesse daran, wie das Universum und die Natur erschaffen worden waren. Aus dem Quran lernten sie zum ersten Mal das Nachdenken über solche Fragen und versuchten, Antworten darauf zu finden. Gott befahl den Menschen, die an den Quran glauben zu untersuchen, wie Himmel und Erde erschaffen wurden:
Die da Gottes gedenken im Stehen und Sitzen und Liegen und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: "Unser Herr, Du hast dies nicht umsonst erschaffen! Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Feuerspein!" (Sure Al-Imran, 191)
Dieses Bewußtsein führte die Islamische Kultur zu einem großen wissenschaftlichen Aufschwung, der in der Weltgeschichte bis dahin noch nicht dagewesen war. Das Zentrum dieses wissenschaftlichen Aufschwungs war Bagdad, die Hauptstadt des Islamischen Reiches. Wissenschaftler, Denker und Forscher aus allen Regionen der Islamischen Welt fanden in Bagdad im berühmten Haus der Weisheit zusammen und forschten, um die Geheimnisse der Erschaffung der Welt durch Gott zu lösen.
Das Bewußtsein, das die Muslimischen Wissenschaftler mit der Praktizierung der Quranischen Moral gewannen, führte zu den größten wissenschaftlichen Fortschritten dieser Zeit. Die Offenheit im Denken, die der Quran die Muslime lehrte, gewährleistete, daß die Muslime die wissenschaftlichen Erkenntnisse anderer Kulturen ohne Vorurteile untersuchen und weiterführen konnten. Die wissenschaftlichen Werke der Muslime sind voll zahlloser Untersuchungen, Beobachtungen, Versuchen und Berechnungen, die auf wissenschaftlichem Gebiet unternommen wurden.
Es waren muslimische Mathematiker, die die heute auf der ganzen Welt gebräuchlichen Ziffern und das auf dem Faktor Zehn beruhende Zahlensystem entwickelten. Algebra und Trigonometrie sind ebenfalls Erfindungen Muslimischer Mathematiker. Muslimische Wissenschaftler legten großen Wert auf astronomische Beobachtungen, so daß die moderne Astronomie auf den Methoden der Muslime gegründet ist. Sie berechneten die Bewegung des Mondes um die Erde und schrieben diese in mathematischen Formeln nieder. Die wundervollen Bauwerke in den verschiedensten Regionen der Islamischen Welt verdanken ihre Entstehung diesem wissenschaftlichen Fundament.
Einige der grössten Entdeckungen der Muslime geschahen auf dem Gebiet der Medizin. Die Europäer in ihrer großen Unwissenheit betrachteten zur gleichen Zeit Krankheiten als einen Fluch böser Geister und in ihrem Verständnis gab es den Begriff der medizinischen Behandlung nicht. Muslimische Wissenschaftler dagegen stellten nach Untersuchungen fest, daß bestimmte Krankheiten von kleinen, mit dem blossen Auge nicht sichtbaren Lebewesen übertragen wurden. Daraufhin kamen sie zu dem Ergebnis, daß Kranke behandelt werden müssen, indem man sie von gesunden Menschen isoliert. Auf diese Weise entstanden die ersten modernen Krankenhäuser der Welt. In den Muslimischen Krankenhäusern gab es für Menschen, die an unterschiedlichen Krankheiten laborierten, gesonderte Abteilungen und Behandlungsmethoden. Sogar Geisteskrankheiten wurden therapiert und mit Hilfe von Musik behandelt. In Europa wurden zur gleichen Zeit Geisteskranke als Helfer des Teufels betrachtet und lebendig verbrannt. Die Arbeiten Muslimischer Ärzte zur menschlichen Anatomie waren so zutreffend, daß sie ganze sechshundert Jahre lang als Hauptquelle an europäischen Universitäten verwendet wurden.
Der englische Forscher Terry Johns äußerte sich in einem von ihm für BBC gedrehten Dokumentarfilm über die Islamische Welt folgendermaßen zum dortigen hohen Niveau der Wissenschaften:
Ein Islamischer Forscher aus der Stadt Harran maß die Entfernung zwischen Mond und Erde richtig. Ein anderer Muslim schrieb, daß, wenn das Atom gespalten wird, eine Stadt von der Größe Bagdads verschwinden wird. An der medizinischen Fakultät, die 1154 in Damaskus eröffnet wurde, lehrten die Ärzte Anatomie, die Schutzwirkung von Medikamenten, hygienische Operationen und den Blutkreislauf. Und dies war Jahrhunderte vor Harvey. 2

Ibn Al-Haytham
Muslimische Ärzte, denen Jahrhunderte vor den Europäern der Blutkreislauf bekannt war, untersuchten die Kranken, indem sie den Puls maßen. Geburten wurden mit den saubersten Methoden dieses Zeitalters durchgeführt. Die Operationsinstrumente Muslimischer Chirurgen, die in den medizinischen Büchern dieser Zeit abgebildet sind, weisen auf hoch entwickelte medizinische Kenntnisse hin.
An den Hochschulen der Islamischen Weltwurden Frauen wie Männer unterrichtet und auch die Frauen trugen zur Entwicklung der Wissenschaft bei.
Auch der Aufbau des Lichtesund große Entdeckungen auf dem Gebiet der Optik gehen auf das Konto muslimischer Wissenschaftler. Der erste Mensch, der detailliert den Aufbau des Auges beschrieb war der Muslimische Optiker Ibn-el Heytem. Die außerordentlich erfolgreichen Arbeiten von Ibn-er Heytem über die Linsen bereiteten den Weg für die Erfindung der Kamera vor. Muslimische Ärzte entdeckten die Ursache für Fehlsichtigkeit und unternahmen ganze 1000 Jahre vor den Europäern erfolgreiche Kataraktoperationen.
Das wissenschaftliche Erbe des Islam wurde zur wichtigsten Quelle des wissenschaftlichen Aufschwungs in Europa ab dem 15. Jahrhundert. Christliche Wissenschaftler begründeten die europäischen Wissenschaften mit dem Wissen und den Methoden, die sie von den Muslimen gelernt hatten. Das Licht des Islam hatte auch sie erleuchtet.
DIE PRACHT ISLAMISCHER ZIVILISATION

Der Taj Mahal, Indien



Eine wichtige Besonderheit der Menschen, die an die Moral des Islam glauben, ist ihr hohes Verständnis von Kunst und Ästhetik. Die Schilderungen des Paradieses im Quran beschreiben in höchstmöglicher Qualität einen feinsinnigen Geschmack und berauschenden Prunk. Die Muslime, die dieses Verständnis in ihre Herzen gepflanzt hatten, schufen unvergleichliche Werke und all die Länder, denen sie sich zuwandten, wurden zu den erwähltesten und modernsten Orten der Welt.
Die Muslime sorgten überall für die Verbreitung von Kultur. Zum Beispiel errichteten sie ein geniales Klärsystem um eine Stadt in Tunesien mit sauberem Wasser zu versorgen. Die Europäer begannen erst Jahrhunderte später, überhaupt an ein solches System zu denken.
Bagdad war die prachtvollste und modernste Stadt der damaligen Welt. Architektur und Organisation waren unübertroffen. Ein Reisender, der Bagdad besuchte, schrieb folgendes:
"Alle Stadtviertel Bagdads sind voller Parks, Gärten, Villen und Plätzen, voller prachtvoller Märkte, wunderbarer Moscheen und Bäder. Diese wundervolle Stadt setzt sich in dieser Schönheit auf beiden Seiten des Flusses kilometerlang fort." 3
Ein weiteres prunkvolles Zentrum der Islamischen Welt war Spanien. Der in Andalusien gegründete Muslimische Staat war das modernste und am weitesten entwickelte Land Europas. Die Hauptstadt Cordoba berauschte mit außerordentlicher Architektur, gepflegten und beleuchteten Straßen, Bibliotheken, Krankenhäusern und Palästen.
Zur gleichen Zeit waren die großen europäischen Städte wie Paris und London schmutzig, dunkel und ungepflegt. Europäische Christen, die Cordoba besuchten, waren überwältigt von dem großen Prunk der Stadt, von deren Kultur und Kunst. Sheila Blair, Historikerin an der Universität Boston beschreibt den Prunk Cordobas mit diesen Worten:
"Im 9. und 10. Jahrhundert war Cordoba die größte und ansehnlichste Stadt Europas. Wir verfügen über Beschreibungen von Reisenden, die die Stadt besuchten. All die Blumen, die offenen Straßen, die herrliche Beleuchtung... Die Städte des Nordens (der Christen) waren in Dunkelheit. Nur in Cordoba gab es sauberes Trinkwasser und die Menschen lebten in großen Häusern. In Paris dagegen lebten die Menschen am Flußufer in kleinen Hütten." 4

Diese Pumpen aus dem 13. Jahrhundert, konstruiert von Muslimen an einem Fluß in Hama, Syrien, belieferten die Stadt mit Wasser und dienten auch der agrikulturellen Bewässerung.

Eines der wenigen Bauwerke, die vom alten Prunk Cordobas überblieben ist die katholische Kathedrale, die sich im Zentrum der Stadt befindet. Diese Kathedrale war ursprünglich eine Moschee und wurde später in eine Kirche verwandelt. Das Moscheeninnere verfügt über eine Ästhetik, die alle Besucher verzauberte. Im 10. Jahrhundert beschreibt ein Mönch aus Sachsen Cordoba als “die Zierde der Welt”.

Die eindrucksvolle Schönheit der Moschee in Cordoba.



Granadas Alhambra Palast, von Muslimen konstruiert, ist eines der architektonisch eindrucksvollsten Gebäude Islamischer Baukunst.


Wie in der Architektur hatten die Muslime auch in der Mode im Vergleich zu Europa einen
hervorragenden Geschmack und bessere Qualität. Ihre Textilindustrie fabrizierte unerreicht schöne Stoffe, gegen die die in Europa übliche Kleidung ordinär aussah. So wurden Muslimische Stoffe und Kleidung zu Symbolen für Luxus und Status unter den Europäern. Die wertvollsten heiligen Objekte der Kirche wurden in von Muslimen hergestellten Stoffen aufbewahrt. Auf so manchen in mittelalterlichen Bildern dargestellten Kleidungsstücken sind sogar Islamischen Inschriften zu sehen. Muslime prägten damals die Mode der Welt.
Europa erhielt noch weitere Zivilisationsgüter von den Muslimen, zum Beispiel das Bad und die Benutzung von Seife. Die Islamische Zivilisation trug auch wesentlich zur europäischen Musik bei. Saiteninstrumente, die in der Islamischen Welt weit verbreitet waren, tauchten in Europa erst sehr viel später auf. So ist die Gitarre, ein Hauptinstrument westlicher Musik, aus der klassischen Ut abgeleitet.
OSMANISCHE UND ISLAMISCHE KULTUR

Die Hilya unten gehört zu einer besondern Sammlung. Andere ornamentale Objekte des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts sind im Türkischen Museum für Islamische Kunst ausgestellt.
Das Osmanische Reich, das 1299 gegründet wurde, erhob sich als einer der prunkvollsten Staaten. Ein auf Gerechtigkeit und Toleranz aufbautes Staatsverständnis, eine hervorragende, in allen eroberten Gebieten sichtbare Architektur, Textilien, Kalligraphie und das hervorragende Ausbildungssystem waren beispielhaft für die westliche Welt. Die Höflichkeit und der Kunstsinn der osmanischen Sultane wurde von Besuchern aus dem Westen mit Bewunderung erwähnt: gleichzeitig waren sie von dem Prunk, dem sie auf osmanischem Gebiet begegneten, zutiefst beeindruckt.
Das Osmanische Reich herrschte über ein so großes Gebiet wie selten ein Reich zuvor in der Geschichte, und es war zugleich eines der langlebigsten Reiche. Das Herrschaftsgebiet des Römischen Reiches war zwar während seiner Blütezeit flächenmäßig größer als das Osmanische Reich, allerdings konnten die Osmanen die große Staatsfläche länger halten als die Römer. Das osmanische Erbe ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte Europas, Nordafrikas, Vorderasiens, Mesopotamiens und Arabiens. In zahlreichen europäischen Städten wie Sofia, Belgrad und Sarajewo sind die Beispiele osmanischer Architektur und Städtebaus immer noch zu sehen.
Das Staats- und Regierungssystem der Osmanen, das auf der Islamischen Moral begründet ist, wird heute von zahlreichen Politikwissenschaftlern als die ideale Staatsform dargestellt. Das diplomatische Verständnis des Osmanischen Reiches war die Grundlage unserer heutigen vielschichtigen Diplomatie.
Die westliche Kultur wurde direkt von der osmanischen Zivilisation beeinflußt. So brachten die Osmanen den Reisanbau nach Ungarn, die Tulpe wurde im 16. Jahrhundert von dem Habsburger Gesandten Busbecq, der Istanbul besuchte, nach Holland gebracht, die Italiener übernahmen von den Osmanen die Techniken Weberei und der Stoff-Färberei, und auch die Tradition der europäischen Militärkapellen stammt von den Osmanen ab. 5
Der Islam wurde vom Moment der Offenbarung an den Propheten Muhammad (s.a.w.s) das strahlende Licht, das die Menschheit zum Rechten, zur Wahrheit und zur Schönheit führte. Die Muslime, die mit der Moral des Islam zu gesitteten Menschen wurden, brachten, wohin sie auch immer gingen, Toleranz, Weisheit, Wissenschaft, Kunst, Ästhetik, Sauberkeit und Wohlstand. Während Europa in finsterem Fanatismus und in Barbarei verharrte, war die Islamische Welt zur modernsten und zeitgemäßen Kultur geworden. Beim Aufbau der sich später entwickelnden europäischen Kultur nahmen die Werte, die von der Islamischen Welt übernommen worden waren, breiten Raum ein. Der Historiker Eugen Myers drückt diese Tatsache folgendermaßen aus:
"Zwischen dem Ende des neunten Jahrhunderts und dem zwölften Jahrhundert hatte der Islam starken Einfluß auf Wissenschaft und Kultur des Westens. Die kulturelle Bedeutung von Islamischen Gelehrten und Übersetzern bei der Entwicklung von Wissenschaft und Humanität darf keineswegs unterschätzt werden ... So beruhen die Wurzeln des westlichen Denkens auf griechisch-arabischen Ideen und dem Denken der spanischen Juden." 6
Einer der wichtigsten Gründe für das Zurückfallen eines Teils der Islamischen Welt liegt im Verschwinden der Klugheit, der Aufrichtigkeit und der Offenheit, die vom Quran gelehrt wurden. Denn der Quran ist der größte Wegweiser, der die Menschheit von der Dunkelheit zum Licht führt, so wie Gott es dem Propheten (s.a.w.s) mitteilte:
A. L. R. Dies ist ein Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit du die Menschen mit deines Herrn Erlaubnis aus den Finsternissen zum Lichte führst, auf den Weg des Mächtigen, des Preiswürdigen. (Sure Ibrahim, 1)
Die heutigen Muslime müssen diese prachtvolle Vergangenheit der Islamischen Kultur verstehen und wissen, daß dies sowohl zu Ehre gereicht wie auch Verantwortung bedeutet. Die Muslime sind die Vertreter eines gesegneten, glücklichen und Achtung gebietenden Erbes, das eine der größten Kulturen der Welt errichtete. Die Muslime wurden von den Vertretern anderer Glaubensrichtungen und Kulturen stets mit Bewunderung und dem Wunsch, es ihnen gleich zu tun, betrachtet. Der bekannte Nahostexperte Daniel Pipes meint, nachdem er in einem Aufsatz vom Selbstvertrauen der Muslime sprach, dazu folgendes:
“Einer der Gründe für dieses Selbstvertrauen ist die Erinnerung an die ersten sechshundert Jahre des Islam und die daraufhin folgenden außerordentlichen Erfolge. Zu dieser Zeit war die Islamische Kultur die fortschrittlichste Kultur. Die Muslime verfügten über die besten hygienischen Bedingungen, hatten die längste Lebenserwartung und die höchste Alphabetisierungsrate. Wissenschaftliche und technische Forschungen geschahen zum Großteil unter ihrer Kontrolle und sie schufen die Heere, die in der Zukunft siegreich waren. Dieser Erfolgstrend war von Anfang an deutlich. Im Jahre 622 n.Chr. verließ der Prophet Muhammad (s.a.w.s) die Stadt Mekka und zog acht Jahre später als deren Führer wieder ein. Bereits im Jahre 715 hatten die Muslimischen Eroberer ein Reich gegründet, das sich von Spanien im Westen bis nach Indien im Osten erstreckte. Muslim zu sein bedeutete, einer siegreichen Kultur anzugehören. 7
Es ist durchaus möglich, auch heute eine der Vergangenheit ähnliche Pracht zu errichten, so daß die Muslime zu Anführern einer Kultur und Zivilisation werden, die ihr Licht wieder auf die Welt wirft. Bei den Bemühungen in dieser Richtung ist es zunächst erforderlich, den Geist von Einheit und Zusammengehörigkeit wieder zu entwickeln. Wenn sich unter den Muslimen eine einvernehmliche und friedliebende Kultur verbreitet, die persönliche Interessen beiseite läßt, die Unterschieden mit Toleranz begegnet, die ihre Kraft und Energie nur für den Islam, die Muslime und für das Wohl der Menschheit verwendet und Pluralität befürwortet, dann kann die Islamische Welt eine der größten Kulturen des 21. Jahrhunderts errichten. Dank Tugenden wie Liebe, Barmherzigkeit, Verständnis und Toleranz, die die Grundlage der Islamischen Moral darstellen, wird ein Ende der despotischen Regierungen abzusehen sein, die heute einen Teil der Muslimischen Länder beherrschen, werden die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung gewährleistet sein, werden die Muslime, die in den unterschiedlichsten Regionen dieser Welt unterdrückt und erbarmungslos getötet werden, in Frieden und Sicherheit leben und mit Gottes Erlaubnis wird im 21. Jahrhundert eine dem Jahrhundert der Glückseligkeit ähnliche Periode beginnen.

WARUM EINE ISLAMISCHE UNION?


Viele Intellektuelle sind heute der Ansicht, daß die Zukunft der Islamischen Welt direkt den Frieden und Sicherheit der gesamten Welt beeinflußt. Der 1,2 Milliarden zählende Bevölkerungsanteil der Islamischen Welt, etwa der gesamten Weltbevölkerung, ist mit seinen Bodenschätzen und der strategischen Bedeutung dieser Regionen eine große Macht. Die Muslimischen Länder, die bis zum 2. Weltkrieg im wesentlichen unter kolonialer Verwaltung standen, gewannen danach im Zuge der Revolutionen ihre Unabhänigkeit und veränderten die Islamische Welt. Die eigentliche Veränderung der Islamischen Welt begann jedoch erst mit dem Ende des Kalten Krieges. Die Islamische Welt, die bis dahin als afrikanisch-asiatische Gemeinschaft betrachtet wurde, formte sich jetzt zu einer von Albanien und Bosnien bis nach Tschetschenien und Tadschikistan reichenden europäisch-asiatischen Gemeinschaft. War die Türkei noch in den 80er Jahren das einzige Muslimische Mitglied in der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), so beträgtdie Anzahl der Muslimischen Mitglieder heute bereits neun. 8

Die Islamische Welt umfasst ein riesiges Gebiet und genießt einen großen Reichtum, zu dem überwältigenden Naturschönheiten gehören. Unter der Islamischen Union werden die Islamischen Länder diese Ressourcen besser nutzen.


Während dieser Phase beeinflußte die Veränderung im demografischen Zerfall der Islamischen Welt auch den Begriff der Islamischen Region. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten die Muslime unter Islamischer Herrschaft. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten Muslime aus freien Stücken in verschiedene europäische Länder und nach Amerika aus und bildeten dort eine nicht zu vernachlässigende Einwohnerschaft. Heute ist der Islam in Amerika und zahlreichen Ländern Europas zur am schnellsten wachsenden Religion geworden. Der Anstieg der Anzahl von im Westen lebenden Muslimen führte dazu, daß diese im sozialen und politischen Leben der Gesellschaft eine immer grössere Rolle spielen.

Der Buddhismus war weit verbreitet auf den Maldiven, einem Land, dass für seine natürliche Schönheit bekannt ist. Später übernahmen die Menschen den Islam aufgrund der missionarischen Aktivitäten muslimischer Reisender. Heut sind fast alle Einwohner Muslime.
VERTEILUNG DER MUSLIME

Der Islam ist die am schnellsten wachsende Religion der Welt. Diese Karte zeigt die Verbreitung der Muslime. .
Ein weiteres Element ist zudem die Tatsache, daß sich ein wichtiger Schnittpunkt der Welthandelswege und einige Durchgangsgebiete in dieser Region befinden. Bedenkt man, daß sich der Bosphorus, der das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbindet und der Suezkanal, der das Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet, unter der Kontrolle von Muslimen befinden, dann ist die Bedeutung der Islamischen Welt noch besser zu verstehen. Macht man sich darüber hinaus klar, daß sich der weltweit grösste Teil der verwertbaren strategischen Rohstoffquellen Erdöl und Erdgas in Islamischen Regionen befindet, dann wird das Bild noch deutlicher. All dies bedeutet strategische Möglichkeiten für die Islamische Welt, und die sinnvolle Nutzung dieser Möglichkeiten ist gleichbedeutend mit dem Anstieg der weltweiten politischen Einflußnahme der Muslime.

Bereits heute ist deutlich zu erkennen, daß die Muslime bei den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts direkt oder indirekt eine Rolle spielen werden. Diese Rolle wird für die gesamte Menschheit und besonders für die Islamische Welt von Vorteil sein. Die Frage ist, ob die Islamische Welt in ihrem momentanen Zustand eine Führungsrolle übernehmen kann oder nicht. Ohne Zweifel verfügen die Muslime über die hierzu notwendige Reife und das entsprechende Bewußtsein. Betrachtet man jedoch die Islamische Welt, so springen manche Probleme ins Auge, wie die technologische und wirtschaftliche Rückständigkeit. Eine Islamische Welt, die sich vorbereitet, in der Weltpolitik eine aktive Rolle zu übernehmen, ist gezwungen, für diese und andere Probleme so bald wie möglich eine Lösung zu finden.
Allerdings gibt es ein weiteres lebenswichtiges Problem, das die Islamische Welt vor allen anderen in größter Eile zu lösen hat: Ihre Uneinigkeit. Dies ist der wichtigste Mangel, der die Basis der heutigen Probleme ausmacht, und der Grund, weshalb die Muslime keine starke und aktive Islamische Union aufbauen konnten. Diese Uneinigkeit beruht jedoch nicht auf den unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Glaubenspraktiken. Auch wird sie nicht dadurch aufgehoben, daß sich alle Muslime auf eine Glaubenspraxis einigen. Wichtig ist, daß diese Unterschiedlichkeit unter dem Dach einer Glaubenseinheit und mit dem Verständnis eines toleranten Pluralismus weiter bestehen kann. Unterschiede in Ansichten, Gedanken und Praktiken gehören zur Normalität, der man in jeder Gesellschaft begegnet. Trotz aller Unterschiede erfordert die Islamische Moral von den Muslimen, einander als Brüder zu behandeln. Trotz aller Unterschiede in Rasse, Sprache, Vaterland und Glaubensrichtung sind alle Muslime Brüder. Aus diesem Grund sind die Unterschiede in der Islamischen Welt als Reichtum zu bewerten und dürfen nicht Ursache für Auseinandersetzungen unter den Muslimen sein, die verhindern, daß Maßnahmen zur Lösung der dringenden Probleme ergriffen werden.
GRÜNDE DER UNEINIGKEIT
Die heutige Uneinigkeit der Islamischen Welt begann Mitte des 20. Jahrhunderts. Zuvor lebten Muslime unterschiedlicher Glaubensrichtungen, Rassen und Sprachen in Ruhe und Sicherheit unter der Regierung verschiedener Islamischer Herrscher.

Das zwanzigste Jahrhundert war ein Jahrhundert der Unterdrückung, der Gewalt, des Krieges und der Konflikte. Millionen unschuldiger Menschen verloren ihr Leben.
Allerdings wirkte sich im 19. Jahrhunder die zerstörerische Kraft des radikalen Nationalismus auch in der Islamischen Welt aus. Ein Teil der Muslime fiel unter den Einfluß dieser Strömung und übernahm die ihnen aufoktroyierte Ideologie. Gleichzeitig mit der Schwächung der Islamischen Herrschaftsbereiche wurden die meisten Islamischen Regionen zu Kolonien westlicher Mächte. Als sich die Kolonialmächte vom Islamischen Boden zurückzogen, waren diese Regionen durch künstliche Grenzen geteilt und es waren verschiedene Staaten errichtet worden. Durch das Hinzukommen radikaler nationalistischer wurde das Durcheinander nahezu perfekt. Ethnische Unterschiede auf Muslimischem Boden wurden zur Ursache von Auseinandersetzungen. Völker, die bis vor kurzer Zeit auf dem gleichen Boden lebten, waren plötzlich durch Grenzen getrennt. Nahezu alle Länder hatten Streitigkeiten mit den Nachbarn, in der Regel Meinungsverschiedenheiten über den Grenzverlauf. Diese Auseinandersetzungen führten wie im Fall von Iran und Irak Muslimische Staaten in einen erbarmungslosen Krieg. Auf diese Weise befand sich die Islamische Welt am Anfang einer einhundert Jahre dauernden Phase der Instabilität. Empfindet ein Mensch, der seine Nation liebt, anderen Nationen gegenüber grundlose Feindschaft und unterdrückt er zugunsten der Interessen seiner eigenen Nation die Rechte anderer Nationen und Völker, plant er also die Besetzung von deren Grund und Boden und den Raub ihrer Güter, dann handelt es sich nicht mehr um aufrichtigen Patriotismus, sondern um verwerflichen Nationalismus. Wer die Liebe zu seiner eigenen Nation in Rassismus verwandelt, verletzt die zwischen zwei Muslimischen Gesellschaften bestehende Muslimische Bruderschaft.
Auf dieses falsche Verständnis lenkt auch der Quran die Aufmerksamkeit. Die Idee, die in den Versen als "der Eifer der Unwissenheit" beschrieben wird, wird als eine Besonderheit der Unwissenheit von Gesellschaften, die entfernt von der religiösen Moral leben beschrieben:
Als die Ungläubigen in ihren Herzen blinden Eifer trugen, den blinden Eifer der Unwissenheit, da senkte Gott Seine Ruhe auf Seinen Gesandten und die Gläubigen und machte ihnen ständiges Gottesbewusstsein zur Pflicht; denn sie waren dessen am würdigsten und verdienten es am meisten. Und Gott kennt alle Dinge. (Sure al-Fath, 26)
Der Vers spricht vom "Eifer der Unwissenheit" gesprochen, demgegenüber Gott den Gläubigen das Gefühl von Sicherheit und Beruhigung gibt. Das heißt, daß sich der Seelenzustand eines Menschen, der sich wegen seiner Liebe zu seiner eigenen Gesellschaft zornig und aggressiv verhält, nicht in Übereinstimmung mit der Quranischen Moral befindet. Das nationalistische Verständnis, das sich im 19. Jahrhundert im materialistischen Europa entwickelte und auch in die Muslimischen Gesellschaften eindrang, ist ein zornerfüllter und übertriebener Nationalismus. Er ist der Grund für Auseinandersetzungen und politische Instabilität nicht nur in der Islamischen, sondern überall auf der Welt.
Es widerspricht der Quranischen Moral, die Menschen entsprechend ihrer Rasse und Abstammung zu trennen und ethnische Unterschiede als Begründung von Auseinandersetzungen zu benutzen. In einem Vers befahl unser Herr folgendermaßen:
O ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennenlernt. Doch der vor Gott am meisten Geehrte von euch ist der Gottesfürchtigste unter euch. Gott ist fürwahr wissend, kundig. (Sure al-Hudschurat, 13)

"Zusammenprall arabischer Reiter." Öl auf Leinwand, Walters Art Gallery, Maryland.

Gott teilt mit dem Vers "Zu Seinen Zeichen gehört auch die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit euerer Sprachen und euerer (Haut-)Farben. Darin sind fürwahr Zeichen für die Wissenden." (Sure ar-Rum, 22) mit, daß sie von unterschiedlichen Rassen und Nationen abstammen. Diese Unterschiede sind nicht Gegenstand von Auseinandersetzungen und Zwietracht, sondern Reichtum und Diversifizierung.
Die Geschichte ist voller Beispiele vom Einvernehmen bei ethnischen Unterschieden im Islam. Der Prophet Muhammad (s.a.w.s) veranlasste die Prophetengenossen vor der Differenzierung von Rasse und Stamm auf der Hut zu sein, und davor, die Menschen nach ihren Nationalitäten, Geschlechtern, Sprachen und Stämmen zu unterscheiden, oder die Menschen einer Gesellschaft entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten zu klassifizieren. Prophet Muhammad (s.a.w.s) forderte in seiner Abschiedspredigt mit den Worten, "O ihr Menschen! Euer Gott ist ein einziger Gott und euer Vorfahr ist gleich. Ihr alle stammt von Adam ab. Und Adam stammt aus der Erde ab. Der vor Gott am meisten Geehrte von euch, ist der Gottesfürchtigste unter euch. Der Araber ist nicht hochwertiger als ein Muslim, der nicht ein Araber ist, und ein Weisser ist nicht hochwertiger als ein Schwarzer. Die Frömmigkeit steht über allem." die Muslime dazu auf, mit diesem Thema vorsichtig umzugehen.

Zehntausende Muslime ließen ihr Leben im Iran-Irak Krieg.
Während der fortgesetzten Eroberungen zur Zeit des Propheten (s.a.w.s) und der vier Kalifen wurden die Grenzen der Islamischen Welt nach Osten und Westen vorgeschoben und zahlreiche Menschen unterschiedlicher Nationalitäten vereinigten sich unter dem Banner des Islam. Der Mittlere Osten, von Stammeskriegen und langjährigen Blutfehden erdrückt, fand Ruhe mit der Ausbreitung der Islamischen Moral, und nicht nur die Stammeskriege der Araber, sondern auch Kriege in den von Muslimen eroberten Gebieten gingen zu Ende. Sogar erbarmungslose Auseinandersetzungen unter christlichen Glaubensgemeinschaften endeten friedlich in den von Muslimen beherrschten Gebieten. Einander bekriegende, sich nach dem Leben trachtende Stämme und Gruppierungen erkannten unter dem Banner des Islam einander das Recht zum Leben zu und achteten sich.
Auch heutigen Muslime müssen die Welt unter diesem Blickwinkel betrachten. Bei den Beziehungen der Muslime untereinander dürfen nicht die bestehenden Unterschiede wie Rasse, Herkunft, Sprache, Amt oder Einfluß ausschlaggebend sein, sondern der gemeinsame Glaube und die gute Moral. Die Liebe zwischen aufrichtig glaubenden Menschen findet ihre Form entsprechend der Gottesfurcht eines anderen, und entsprechend der innigen Liebe zu unserem Herrn, der frommen Werke und der guten Moral. Wenn jemand sein gesamtes Leben dem Weg Gottes widmet, dies mit seinem gesamten Verhalten beweist und stets unter Berücksichtigung von Wohlgefallen und Barmherzigkeit Gottes ein gutes Verhalten zeigt, dann empfinden die Gläubigen diesem Menschen gegenüber Liebe und Ehrerbietung. Die Hautfarbe einer Person, die Nation der diese angehört und ihre finanziellen Möglichkeiten werden nicht als Kriterium bewertet, denn all dies wirkt sich weder positiv noch negativ auf die Liebe aus. Die gleichen Kriterien müssen auch bei Beziehungen zwischen Muslimischen Gesellschaften gültig sein. Das Wesen der Beziehungen zwischen zwei Muslimischen Gesellschaften muß so sein wie im Quran beschrieben: Die Muslime helfen einender und einer ist des anderen Vormund.
Einer der wichtigsten Gründe für die Uneinigkeit der Islamischen Welt ist der Mangel an diesem Bewußtsein. Die Ursache hierfür ist in der Entfernung von der Quranischen Moral zu sehen, an deren Stelle unreligiöse intellektuelle Strömungen und Ideen Einfluß gewannen. Einige Intellektuelle glaubten, daß der Import von im Westen entwickelter atheistischer und irriger Philosophien und Ideologien die Islamische Welt weiter bringen würde. Die Verwüstungen, die von diesem historischen Fehler ausgelöst wurden, sind heute noch deutlich zu sehen. Anstelle der Quranischen Moral, die Gerechtigkeit, Opferbereitschaft, Barmherzigkeit, Toleranz, Offenheit für Ideen und Voraussicht mit sich brachte, entstanden aus den Bemühungen, der Gesellschaft verderbte Philosophien und Ideologien überzustülpen, Verwirrung und Uneinigkeit anstelle von Ordnung und Solidarität.
Um diese Verwirrung zu beenden, entstand in manchen Ländern wiederum ein der Quranischen Moral entgegengesetztes Modell und despotische Regimes wurden eingesetzt, die die Bevölkerung unbarmherzig unterdrückten.
Werden heute die zukünftigen Strategien der Islamischen Welt festgelegt, so hat man aus der Geschichte zu lernen und man sollte vor falscher Leitung und Einflüsterungen auf der Hut sein. Die Geschichte zeigt ganz deutlich, daß die Islamische Welt sich erheben kann, wenn sie die Werte ihres eigenen Wesens schätzt. Die wichtigsten dieser Werte sind dabei Einheit und Zusammenhalt der Muslime.
EIN BEISPIEL AUS DER GESCHICHTE:DIE ISLAMISCHE UNION DES SALADIN

Das von den Kreuzrittern 1099 angerichtete Massaker in Jerusalem und die Zerstörung der Stadt.
Die Situation der Islamischen Welt zur Zeit der Kreuzritter ist hierzu ein wichtiges Beispiel.
Als 1096 die ersten Heere der Kreuzritter den Mittleren Osten erreichten, war die Muslimische Gemeinschaft in kleine Emirate aufgeteilt, die untereinander in Streit und Auseinandersetzungen verstrickt waren. Diese Spaltung war der Grund dafür, daß sie den aus Europa kommenden barbarischen Besatzern keinen Widerstand leisten konnten. Das Königreich der Kreuzritter, das 1099 in Jerusalem nach einem fürchterlichen Blutbad errichtet worden war, profitierte für die Dauer von zehn Jahren von der Spaltung der Muslime. Erst als der große Islamische Heerführer Saladin (Salah Ad Din Jusuf Ibn Aijub) die muslimischen Emirate einzeln unter seine Herrschaft brachte und vereinigte, fanden die Muslime die notwendige Kraft, den Kreuzrittern Einhalt zu gebieten.
Doch sie konnten die Kreuzritter nicht an einem Tag besiegen. Saladin vereinigte die Muslime nicht nur unter einem Banner, sondern begann auch, Wissenschaft und Moral zu fördern. Die Encyclopedia Britannica schreibt dazu folgendes:
"Ein grundlegender Bestandteil der Politik (Saladins) war, die religiösen Institutionen der Muslime zu fördern. Er nahm sich der Wissenschaftler und Religionsgelehrten an, gründete Universitäten und Moscheen und veranlaßte sie, zahlreiche Werke zum Nutzen der Islamischen Welt zu verfassen. Mit der Wiedergeburt der Moral bemühte er sich, die Entschlossenheit und den Eifer der ersten Generation von Muslimen wieder zu erwecken, die fünfhundert Jahre vor ihm die Hälfte der bekannten Welt erobert hatten."

Die Grenzen des Sultanats der Ayyubiden vor und nach Saladins Herrschaft.

Der Aufstieg von Wissenschaft, Moral und Glauben, der mit der politischen Union der Muslime einherging, gab der Islamischen Kultur wieder Auftrieb. 1187 wurde das Heer der Kreuzritter, die selbst uneinig waren geschlagen und das gesamte, von den Kreuzrittern besetzte Palästina wurde einschließlich Jerusalem zurückerobert. Die interessanteste Seite an Saladin und der unter seiner Vorherrschaft gegründeten Islamischen Einheit war die Befolgung der Quranische Tugenden Gerechtigkeit, Mäßigung und Friedfertigkeit. Saladin ist im allgemeinen für den militärischen Sieg bekannt, den er gegen die Kreuzritter gewann; eine weitere augenfällige Eigenschaft ist sein in höchstem Maße gerechtes und verzeihendes Verhalten sowohl gegenüber den Kreuzrittern wie auch anderen Christen gegenüber. Trotz der außerordentlich ungerechten Behandlung der Muslime durch die Kreuzritter übte Saladin keine Rache, und bei der Eroberung Jerusalems wurde den Christen der Stadt kein Leid zugefügt. Ein weiterer Aspekt Saladin’s ist, daß er die Radikalen in den eigenen Reihen zügelte. Als der englische König Richard ("Löwenherz") während des dritten Kreuzzuges 3000 Muslime in der Burg Akkra hinrichten liess, dürsteten einige nach Rache und wollten eine Massenhinrichtung der christlichen Gemeinde der Stadt Jaffa (heute Tel Aviv). Saladin bemühte sich erfolgreich darum, diese radikalen Strömungen in seinem Heer zu bremsen, zu besänftigen und die Sicherheit der Christen in Jaffa zu gewährleisten.
Schließlich gelang es Saladin, den Heiligen Stätten Frieden zu bringen. Am 28. August 1192 unterzeichneten die Kreuzritter und die Muslime einen Friedensvertrag. Daraufhin erwies Saladin den Heerführern der Kreuzritter, die Tausende von Muslimen getötet hatten, eine große Ehre und lud sie als seine persönlichen Gäste nach Jerusalem ein. Die Heerführer der Kreuzritter waren angesichts dieser Fähigkeit zu Vergebung, Toleranz und Gerechtigkeit nicht in der Lage, ihre Bewunderung zu verbergen. Als Saladin eines Tages erfuhr, das der englische König Richard krank war, schickte er ihm seinen eigenen Leibarzt und liess Schnee herbeischaffen, um dessen Fieber zu lindern. Seine auf dem Quran gründende grosse Moral machte Saladin auch in Europa zur Legende. Die Islamische Einheit, die Saladin begründete, brachte den Muslimen nicht nur Kraft und Sieg, sondern auch die Gelegenheit, das Wesen der Islamischen Moral, die Tugenden der Gerechtigkeit, Toleranz und Friedfertigkeit zu beleben.
Seit der Einigung des Islam durch Saladin sind ganze acht Jahrhunderte vergangen. So wie Saladin’s Zeit eine Islamische Einigung benötigte, brauchen auch die Muslime unserer Zeit eine Einigung des lslam. Natürlich ist hier nicht, wie zur Zeit der Kreuzritter, von einem vereinten militärischen Angriff gegen die Islamische Welt die Rede, doch die Islamische Welt ist in verschiedenen Regionen unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt. Überdies hinkt die Islamische Welt hinter anderen Zivilisationen her und ist in Gebieten wie Wissenschaft, Technologie, Kultur, Kunst und Philosophie zurückgefallen, obwohl sie lange Zeit ihr Vorreiter war. Auf der anderen Seite wurden einige fehlerhafte Philosophien und Ideologien, die in anderen Kulturen entwickelt wurden, ab dem 19. Jahrhundert in die Islamische Welt eingebracht und beeinflußten jene Muslime, die nicht vollständig mit der Quranischen Moral vertraut waren. Dabei halfen Radikale, die behaupteten, den Islam zu vertreten, in Wirklichkeit aber Grausamkeiten verübten, die der Islamischen Moral völlig widersprechen, sowie Menschen, die durch ihre Unwissenheit Auseinandersetzungen zwischen dem Islam und anderen Kulturen entfachen.
Damit all dies ein Ende findet und die Muslime von neuem eine Kultur begründen können, die der Welt eine Richtung vorgibt, ein Licht aufsteckt, Gerechtigkeit und Frieden bringt und zum Nacheifern anregt, ist es erforderlich, die Methoden zu verfolgen, die einst Saladin anwandte: Die moralische, wissenschaftliche und religiöse Wiedergeburt der Islamischen Welt beginnen und die politische Einheit der Muslime gewährleisten.
UNTERSCHIEDE DURCH TOLERANZ VEREINIGEN
Die Bildung einer Einheit der Muslime ist nicht nur eine politische Notwendigkeit, um die gegenwärtige Situation zu beenden. Vielmehr ist die Einheit die Voraussetzung, um Muslim zu sein. Ebenso wie sich die Muslime jeden Moment ihres Lebens entsprechend der Quranischen Moral zu verhalten haben, müssen sie dies in ihren nationalen und internationalen politischen Beziehungen tun. Die Quranische Moral muß zuerst in einer Union der Islamischen Welt münden. Wird der Quranischen Moral eine grundlegende Rolle zugewiesen, dann ist diese Union dauerhaft und sie wird den von ihr erwarteten aktiven Part auch übernehmen können.

Humayuns Grab, Indien. Eines der bedeutendsten Monumente des mughalischen Reiches.

Die Islamische Moral macht es erforderlich, daß die Muslime stets einen Hang zur Einheit aufweisen und solidarische Glaubensbrüder sind. Gott befahl den Gläubigen im Quran nicht miteinander zu hatern (Sure al-Anfal, 46) und verkündete, eine solche Situation werde die Muslime schwächen. In einem anderen Vers wurde folgendermaßen befohlen:
Und seid nicht wie jene, die gespalten und uneins sind, nachdem die deutliche Botschaft zu ihnen kam; ihnen wird schmerzliche Strafe zuteil. (Sure Al-Imran, 105)

Für einen gewissenhaften Gläubigen, der nicht seine eigenen Interessen, sondern die Gerechtigkeit vertritt, ist es unmöglich, die Union mit anderen Gläubigen nicht zu suchen. Ebenso wie dies als Grundlage für Individuen gilt, ist es auch die Grundlage für Gesellschaften und Nationen. Schließlich lenkt Gott die Aufmerksamkeit im Quran auf diese Tatsache und verbot den Muslimischen Gesellschaften, einander ungerecht zu behandeln und sich feindlich zu verhalten. Der Quran befiehlt, daß einem solchen Verhalten Einhalt zu gebieten ist und dass unter den unterschiedlichen Muslimischen Gesellschaften Frieden zu stiften ist:

Wenn nun zwei Parteien der Gläubigen miteinander streiten, dann stiftet unter ihnen Frieden. Wenn aber die eine sich gegen die andere vergeht, bis sie unter Gottes Befehl zurückkehrt. Falls sie aber zurückkehrt, stiftet unter ihnen Frieden nach Recht und Billigkeit; und seid gerecht. Gott liebt fürwahr die gerecht Handelnden. (Sure al-Hudschurat, 9)
Selbstverständlich kann es unter den Muslimischen Gesellschaften manche regionale, kulturelle und traditionelle Unterschiede in Verständnis und Praxis geben, und es ist nur natürlich, wenn unterschiedliche Interpretationen, Ansichten und Glaubensgemeinschaften vorhanden sind. Es ist jedoch verwerflich, wenn aufgrund dieser Unterschiede die eine Muslimische Gruppierung die andere als fremd und sogar feindlich betrachtet, den Dialog verweigert und verhindert, daß gemeinsame Werte eine Union bilden können. Dies ist eine untragbare Situation.
Gott warnte die Muslime im Quran vor diesem Fehler und zeigte als Beispiel die entsprechenden Fehler der Buchreligionen. Mit dem Hinweis des Quran auf die Fehler der Buchreligionen Christentum und Judentum gab er kund, daß diese Gesellschaften zersplittert und voneinander getrennt wurden. Im 4. Vers der Sure al-Bayyina wird mitgeteilt, daß die Buchreligionen sich in unterschiedliche Parteien trennten, tortzdem ihnen deutliche Hinweise zuteil wurden. Andere Verse nennen als Gründe für die Uneinigkeit schlechte moralische Eigenschaften, Übergriffe und Ungerechtigkeit untereinander, Neid und Missachtung des Rechts. Einige der Verse lauten folgendermaßen:
Doch sie spalteten sich aus gegenseitigem Neid, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war... (Sure asch-Schura, 14)
Siehe, die Religion bei Gott ist der Islam. Und die, denen die Schrift gegeben wurde, wurden erst uneins, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war -aus Neid aufeinander. Und wer die Zeichen Gottes verleugnet -siehe, Gott ist schnell im Abrechnen. (Sure Al-Imran, 19)
Des weiteren ist es eine bekannte Tatsache, daß der Grund für die großen Kriege der Buchreligionen in der Geschichte in dieser Spaltung zu sehen ist. Die ersten 1600 Jahre des Christentums können als die Geschichte unterschiedlicher, miteinander im Streit liegender christlicher Glaubensgemeinschaften betrachtet werden. Sogar kleine Unterschiede in der Auslegung führten dazu, daß sich die Christen gegenseitig der Häresie beschuldigten. Mit der Zeit gewann die Römisch Katholische Kirche die Oberhand in diesen Auseinandersetzungen, und unterdrückte Jahrhunderte lang andere religiöse Glaubensrichtungen, die sie als verderbt (häretisch) betrachtete. Der Druck, den das Papsttum ab dem 11. Jahrhundert gegen unterschiedliche Glaubensströmungen ausübte, und die mehr als ein Jahrhundert andauernden blutigen Kriege, die nach der Reformation zwischen Protestanten und Katholiken ausbrachen, fallen mit dem dunkelsten Zeitalter der europäischen Geschichte zusammen. Es ist interessant, daß der Aufstieg der europäischen Kultur erst begann, nachdem der Krieg der Glaubensrichtungen ein Ende fand. Das moderne Europa wurde, nach dem Westfälischen Frieden von 1648 geboren, als der Gedanke die Vorherrschaft ergriff, daß die unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen einander zu tolerieren haben.

Das Vorherrschen von Gewalt und Grausamkeit enthüllt die Dimensionen der auf den Muslimen lastenden Verantwortung.


Blick von der großen Moschee in Damaskus



Die Grundlage für die religiöse Uneinigkeit liegt darin, daß die Menschen nicht entsprechend der von Gott befohlenen Moral leben. Die Basis dieser Moral ist Bescheidenheit. Menschen, die sich von der Bescheidenheit entfernen, betrachten sich selbst und ihre eigenen Ideen unbedingt als richtig, schätzen von ihnen abweichende Gedanken gering und stehen diesen feindlich gegenüber. Da sie auch überhaupt keinen Zweifel an ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit haben, stellen sie sich niemals in Frage und können sich infolgedessen nicht zum Besseren und Richtigen wenden. Der Quranvers "Aber sie wurden uneins und zerfielen in Sekten, und jede Partei erfreut sich dessen, was sie haben." (Sure al-Mu'minun, 53) lenkt die Aufmerksamkeit auf diejenigen, die nur ihre eigene Ansicht schätzen und deswegen gelobt werden.
Dies ist eine Situation, vor der sich diejenigen ganz energisch schützen müssen, die sich vor Gott fürchten und daran glauben, daß sie am Jüngsten Tag Rechenschaft ablegen werden. Diejenigen, die die Bedeutung dessen verstehen, müssen davor auf der Hut sein, sich von anderen Gläubigen abzuspalten, zu teilen und zu trennen; Muslime müssen sich darum bemühen, die Union in der Quranischen Moral herzustellen.
Beispielhafte Muslime nähern sich den Menschen – in dem Wissen, daß dies die Manifestation Unseres Herren ist – mit Liebe, Barmherzigkeit und Begeisterung. Sie betrachten Menschen, die den gleichen Glauben teilen, die an den Quran glauben, die die Befehle Gottes befolgen und dem maßgeblichen Vorbild unseres Propheten (s.a.w.s) folgen als Brüder, und vergessen nicht, daß sie einander Vormund sind. Anstatt unterschiedliche Ansichten in den Vordergrund zu schieben und die Basis für Auseinandersetzungen vorzubereiten, sollte das Leben nach der Quranischen Moral die Union unterstützen, bei strittigen Themen tolerant sein und sich verständnisvoll geben. Aufrichtige Muslime sowie Intellektuelle und Gelehrte der Islamischen Welt; sie alle müssen die Einheit und den Zusammenhalt der Muslime fördern. In der Muslimischen Welt ist eine auf Liebe, Achtung, Barmherzigkeit und Toleranz begründete Solidarität zu errichten.
Das Wesen der Islamischen Moral ist nicht Streit und Trennung, sondern Glaubenseinheit und ein auf gemeinsamen Werten basierendes Verständnis. Mit seinen Worten "Ich überlasse euch den Quran und meine Sunnah. Wenn ihr euch daran fest haltet, so kommt ihr nicht vom rechten Weg ab." zeigte der Prophet Muhammad (s.a.w.s) den Muslimen den Weg, dem sie zu folgen haben. So lautet auch der Befehl Gottes an alle Gläubigen, diesem zu folgen, sich der rechten Religion zuzwenden und sie nicht mehr zu verlassen. In diesem Vers befiehlt Gott folgendermaßen:
Er hat euch als Religion anbefohlen, was Er Noah vorschrieb und was Wir dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus auftrugen: am Glauben festzuhalten und ihn nicht zu spalten. Schwer ist für die Götzendiener das, wozu du sie aufrufst. Gott erwählt dafür, wen Er will, und leitet dahin, wer sich reumütig bekehrt. (Sure asch-Schura, 13)
DIE BELEBUNG DES GEISTES DER EINHEIT
Zur Einheit sind Verständnis, Opferbereitschaft, Loyalität und Treue notwendig. Gott gebot den Muslimen im Quran, sie sollten eine Einheit bilden, daß der Teufel jedoch Zwietracht säen und sich bemühen würde, diese Einheit zu verhindern. Die Muslime sind bei ihren Beziehungen zu den Glaubensbrüdern verpflichtet, sich vor jedem Verhalten zu hüten, das den Geist der Einheit zerstören könnte; dazu gehört, der Gegenseite ein verletzendes Wort zu sagen, ärgerlich zu werden oder sich achtlos zu verhalten. Jeder Gläubige muß sich dem anderen gegenüber so opferbereit wie möglich verhalten, geduldig sein, sich um dessen Güte bemühen und treu und loyal sein. Dies ist eine hervorragende Moral, die alle Gläubigen zu übernehmen haben.
Eines der schönsten Beispiel zu diesem Thema ist die Beziehung zwischen den Gläubigen, die gemeinsam mit dem Propheten Muhammad (s.a.w.s) aus Mekka auszogen und den Muslimen, die ihnen in Medina eine neue Heimat gaben. Die Gläubigen, die aufgrund der Unterdrückung durch die mekkanischen Heiden Gottes ihre Heimat verlassen mussten, wurden in Medina von den Muslimen, die dem Propheten Muhammad (s.a.w.s) huldigten auf die beste Weise empfangen und aufgenommen. Obwohl es zwei einander fremde Gesellschaften waren, die nicht über die unter den Arabern der vor-Islamischen Zeit wichtige Stammesbindung verfügten, legten sie aufgrund ihres Glaubens und ihres Gehorsams eine beispielhafte Brüderlichkeit an den Tag. Die Muslime Medinas gewährleisteten den Auswandernden alle Möglichkeiten, öffneten ihnen ihre Häuser, teilten ihre Speisen, dachten zuerst an deren Bedürfnisse und bevorzugten ihre Glaubensbrüder vor sich selbst. Unser Herr spricht folgendermassen über diese gute Moral der Gläubigen Medinas:
Diejenigen, die vor ihnen hier (in Medina) im Glauben zu Hause waren, lieben die, welche zu ihnen auswanderten, und fühlen in sich kein Verlangen nach dem, was ihnen gegeben wurde. Sie ziehen (die Flüchtlinge) sich selber vor, auch wenn sie selber bedürftig sind. Wer so vor seiner eigenen Habsucht bewahrt ist - denen ergeht es wohl. (Sure al-Haschr, 9)
Dies ist eine hervorragende, als Vorbild dienende Moral und ein wichtiges Beispiel, das verdeutlicht, wie die Beziehungen zweier gläubiger glaubender Gesellschaften zueinander sein sollten. Unser Prophet (s.a.w.s) beschrieb in einem Hadith, wie die Solidarität unter den Muslimen auszusehen hat:
"Die Muslime sind untereinander in Barmherzigkeit, Achtung und Solidarität genauso wie ein Körper. Wenn ein Glied dieses Körpers krank wird, empfinden die anderen Glieder mit diesem den gleichen Schmerz und können nicht schlafen."
Die Liebe der Muslime zueinander und die Tatsache, daß in ihren Herzen kein Groll bleibt ist eine große Gnade und Wohltat Gottes für die Gläubigen. Diese Wohltat, die im Jenseits im wahrsten Sinne des Wortes gelebt werden wird, findet im Quran folgende Beschreibung:
Und Wir wollen aus ihren Brüsten allen Groll nehmen. Eilen sollen Bäche unter ihnen… (Sure al-A'raf, 43)
Deshalb müssen die Muslime sich in dem Bewußtsein verhalten, daß das Gefühl von Solidarität, Brüderlichkeit und Einheit eine große Wohltat Gottes ist, die geduldig und mit festem Willen geschützt werden muß. Der 1. Vers der Sure al-Anfal "… Darum fürchtet Gott und bewahrt Eintracht untereinander. Und gehorcht Gott und Seinem Gesandten, wenn ihr gläubig seid" ist ein weiterer Vers, der den Muslimen die Bedeutung des Zusammenwirkens mitteilt. In einem Hadith drückte Unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) dagegen die Bedeutung des gemeinsamen Vorgehens folgendermaßen aus:

Indem sie im Geist der Einheit und Kooperation handeln, werden die Muslime ein sehr gutes Beispiel für alle anderen Gesellschaften geben. Die wesentlichen Werte des Quran, wie Gerechtigkeit, Mitgefühl, Liebe, Verständnis und Toleranz, werden sich im Rest der Welt ausbreiten. Die Einheit der Muslime wird ein Segen für die gesamte Menschheit sein.
"... Seid einander nicht unleidlich. Seid einander nicht Feind. Unterbrecht nicht eure guten Beziehungen zueinander. Wendet euch nicht voneinander ab und seid euch nicht böse und, ihr Diener Gottes, seid Brüder. " 9
Ein Gläubiger ist in jeder Situation verpflichtet zu verzeihen; ist der Gegenüber auch Muslim, dann hat er daran zu denken, daß beide Religionsbrüder sind, die Gott fürchten, und er muss berücksichtigen, daß beide dem Propheten gehorchen und Recht von Unrecht unterscheiden können; er hat dann noch geduldiger zu sein. Ein Muslim ist sich bewußt, daß er für seinen Religionsbruder jederzeit Gutes wünscht, daß er an ihn denkt wie an sich selbst und daß er bei einer Auseinandersetzung noch geduldiger, achtungsvoller und liebevoller antworten muß. In einem Quranvers wird mitgeteilt, daß Muslime folgendermaßen für ihre Religionsbrüder beten:
Und diejenigen, welche nach ihnen kamen, beten: "O unser Herr! Vergib uns und unseren Brüdern, die uns im Glauben vorangingen, und dulde in unseren Herzen keinen Groll gegen die Gläubigen. O unser Herr! Du bist fürwahr gütig, barmherzig." (Sure al-Haschr, 10)
Muslime sind verpflichtet eine Auseinandersetzung zwischen zwei Muslimischen Gesellschaften ebenso zu ordnen und beizulegen, wie sie die Probleme zwischen Brüdern in Freundschaft lösen. Gott befahl den Gläubigen folgendermaßen:
Die Gläubigen sind Brüder. Darum stiftet unter eueren Brüdern Frieden. Und seid gottesfürchtig, damit ihr Barmherzigkeit findet. (Sure al-Hudschurat, 10)
Es ist deutlich, daß diese Moral die Muslime ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und den Geist der Einheit entwickeln läßt. Schließlich befahl Unser Herr den Gläubigen, sich auf Seinen Weg wie "… eine festgefügte Mauer" (Sure as-Saff, 4) zu bemühen. Dies entspricht der geistigen Auseinandersetzung, die gegen die leugnenden Philosophien und Ideologien geführt werden muß und ist zugleich eine wichtige Verpflichtung für alle Muslime. Es ist ein großer Fehler und eine Sünde, sich nur um seine eigenen Probleme zu kümmern und sich abzukapseln, anstelle sich mit dieser gedanklichen Auseinandersetzung zu beschäftigen und die Welt aus der Dunkelheit ans Licht zu führen. Heute warten vor allem jene Muslime auf Menschlichkeit und auf einen Ausweg aus ihrer Situation, die in zahlreichen Ländern Unterdrückung und Grausamkeiten ausgesetzt sind. Gleichzeitig erwartet die Welt einen Wegweiser, der Frieden, Ruhe und Gerechtigkeit bringt und an den vergessenen Sinn des Daseins erinnert. Die Aufgabe des Wegweisens liegt in der Verantwortung der Islamischen Gesellschaft und alle Muslime sollten in diesem Bewußtsein vorgehen. 10
Es zeigt sich, daß Gewalt, Terror, Unterdrückung, Falschheit, Betrug, Konflikte und Armut überall auf der Welt vorhanden sind und dass die Welt voller Zwietracht ist. In Anbetracht dieser Situation verlieren zahlreiche, unter Muslimen zum Problem gewordene Bereiche an Bedeutung. Denn die Unterdrückung dient dazu, aus den Systemen des Aberglaubens, die von jenen Menschen begründet, entwickelt und verbreitet wurden, die nicht an den Jüngsten Tag glauben und die Existenz und Einheit Gottes verleugnen, Kraft zu schöpfen. Demgegenüber haben gewissenhafte Menschen eine Union im Guten zu gründen.
Mit Gottes Erlaubnis wird diese Union auch einer der Schritte zur geistigen Niederlage der ketzerischen Ideologien sein. Unser Herr lenkte im Quran die Aufmerksamkeit auf die Union der Leugner und teilte den Gläubigen mit, daß es notwendig ist, einander Freund zu sein und einander zu helfen. In einem Vers wird folgendermaßen befohlen:
Die Ungläubigen sind (auch) einer des anderen Beschützer. Wenn ihr nicht entsprechend handelt, entsteht Zwietracht und großes Unheil auf Erden. (Sure al-Anfal, 73)
Auf diese Weise wird deutlich, daß die Muslime in Einheit und Union leben, die eine wichtige Verantwortung tragen. Denn wenn es Situationen gibt, die das gemeinsame Vorgehen der Muslime behindern, dann müssen sie sich folgende Fragen stellen:
"Ist dieses Thema es wert, der Islamischen Union Schaden zuzufügen?"
"Ist dies ein Thema, bei dem keine Einigung zu erzielen ist?"
"Ist es logisch, sich mit einer anderen Muslimischen Gesellschaft abzugeben, anstatt sich ideell mit leugnerischen Ideologien auseinanderzusetzen?"
Jeder, der seinem Gewissen diese Fragen stellt, wird erkennen, daß man sich insbesondere von Auseinandersetzungen entfernt halten sollte, deren Ende nicht absehbar ist und dass die Union der Muslime, die auf der Quranischen Moral aufbaut, zu schützen ist.
Außerdem dürfen die Muslime nicht vergessen, daß der Teufel sich ständig darum bemüht, Einheit und Union zu zerstören und Feindschaft unter den Muslimen zu säen.
Unser Herr warnte mit dem Vers "Und sage Meinen Dienern, sie sollen stets freundlich sprechen. Denn der Satan sucht unter ihnen Streit zu stiften. Fürwahr, der Satan ist ein offenkundiger Feind der Menschen.." (Sure al-Isra, 53) die Gläubigen vor dieser Gefahr. Dieser Vers zeigt auch, daß Muslime ihr Verhalten beachten und sich mit verletzenden, stichelnden, verspottenden, harten und vorwurfsvollen Reden zurückhalten müssen.
Während im Quran die Bedeutung einer Einheit mitgeteilt wird, wird gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf einen weiteren Punkt gelenkt: nämlich, daß Auseinandersetzungen und Verhaltensweisen, die den Einheitsgeist verletzen können, die Kraft der Muslime schmälert. Unser Herr befahl folgendes:
Und gehorcht Gott und Seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht kleinmütig werdet und euere Kraft euch verloren geht. Und seid standhaft; siehe, Gott ist mit den Standhaften. (Sure al-Anfal, 46)
Dies gilt für Individuen ebenso wie für Muslimische Gesellschaften und Nationen. Wenn die Islamische Welt eine starke, beständige und sorgenfreie Zivilisation sein will, tonangebend und richtungsweisend auf der Welt, dann ist sie gezwungen sich zu vereinigen. Die bisherige Uneinigkeit, Spaltung und Verwirrung unter den Muslimischen Ländern bewirken, daß die Islamische Welt nicht über eine einheitliche Stimme verfügt und läßt das Muslimische Volk ohne Fürsprecher. Auf den Philipinen, im Kaschmir, in Ost-Turkestan und zahlreichen anderen Orten warten Frauen Kinder und Alte darauf, vor der Unterdrückung gerettet zu werden. Die Verantwortung für diese unschuldigen Menschen liegt insbesondere in der islamischen Welt. Muslime dürfen niemals das Wort Unseres Propheten (s.a.w.s) "Ein Muslim unterdrückt keinen anderen Muslim und setzt ihn auch keiner Gefahr aus." vergessen.
Die Islamische Welt muß die in ihr vorhandenen Unterschiede beiseite lassen und sich daran erinnern, daß alle Muslime Brüder sind. Durch praktizierte geistige Brüderlichkeit können die Muslime der ganzen Welt ein Vorbild sein. Aufrichtige Muslime müssen Gott für die Gabe der Fähigkeit zur Brüderlichkeit danken und sie dürfen keinesfalls den Befehl Gottes "Geht nicht auseinander und zerfallet nicht" vergessen:
Und haltet allesamt an Gottes Seil fest, und zersplittert euch nicht, und gedenkt der Gnadenerweise Gottes euch gegenüber als ihr Feinde wart und Er euere Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet, und als ihr am Rande einer Feuergrube wart und Er euch ihr entriss. So macht euch Gott Seine Zeichen klar, auf dass ihr euch leiten lasst. (Sure Al-Imran, 103)

EINHEIT GIBT DEN MUSLIMEN STÄRKE
Ebenso wie Spaltung und Auseinandersetzung die innerliche Stärke der Muslime schwächt, so gewinnen sie Kraft durch Einheit und Solidarität. Gott befahl im Quran den Gläubigen, bei einem Angriff auf ihre Rechte eine Einheit zu formieren und sich dem entgegen zu stellen.
Und die, wenn sie unterdrückt werden, sich zur Wehr setzen. (Sure asch-Schura, 39)

In diesem Gebot steckt viel Weisheit steckt. Die Überwindung der verlogenen Ideologien ist nur möglich, wenn die Muslime eine Union bilden.
Die Union der gewinnt ihre Stärke aus der Festigkeit des Glaubens und aus der Aufrichtigkeit ihrer Mitglieder. Echte Freundschaft und Solidarität werden nur durch aufrichtigen Glauben begründet. Glaubende lieben aufrichtig und nur zum Wohlgefallen Gottes, ohne weitere Erwartungen und ohne Nutzen daraus zu ziehen, sie schließen Freundschaft zum Wohlgefallen Gottes und bilden eine Einheit zum Wohlgefallen Gottes. Die Zerstörung dieser Einheit, die auf Gottesliebe und Gottesfurcht, dem solidesten Fundament dieser Erde aufbaut, ist nur mit dem Willen Gottes möglich. Eine solche Union gibt den Muslimen einzigartige Kraft. In dem Vers "… Wie oft hat ein kleiner Haufen mit Gottes Willen eine große Schar besiegt! Und Gott ist mit den Standhaften." (Sure al-Baqara, 249) deutet unser Herr an, daß es nicht die zahlenmäßige Stärke ist, die zum Erfolg führt. Der Zusammenhalt, den die Muslime gestützt auf Glauben und Aufrichtigkeit errichten, wird ihren Eifer und ihre Willensstärke vergrössern, was zu weiteren Erfolgen führen wird.
In einem anderen Vers teilt Gott mit, daß die Lügner keine Einheit bilden können, obwohl es so aussieht, als würden sie gemeinsam vorgehen:
Ihre Heldentaten untereinander sind groß. Du hältst sie für eine Einheit, doch innerlich sind sie zerstritten, weil sie ein Volk ohne Einsicht sind. (Sure al-Haschr, 14)
Denn ein Zusammenhalt, der nicht auf Aufrichtigkeit und ehrlicher Absicht beruht, ist im Innern zersplittert, wie sehr er auch von außen solidarisch erscheinen mag. Denn solche Vereinigungen dienen nur dem Profit und in dem Moment, in dem der Profit Schaden zu nehmen droht, endet der Zusammenhalt sofort. Die Muslime haben sich diesem Geheimnis verschrieben, das Gott im Quran mitteilt. Der Zusammenhalt der Muslime gerät nicht aufgrund weltlicher Verluste ins Wanken, sondern er wird ganz im Gegenteil stärker. Dieser Geist und dieses Bewußtsein machen die Muslimische Union sehr stark. Der große Islamgelehrte Said Nursi drückte anhand des folgenden Beispiels aus, welch große Kraft die Muslime aus einer Einheit gewinnen könnten, die auf Redlichkeit und Aufrichtigkeit aufbaut:
"Sicherlich bedürfen und benötigen wir des Glaubens an Solidarität und Redlichkeit und gewinnen das Geheimnis der Aufrichtigkeit, das aus vier Individuen eintausendeinhundertundein geistige Kräfte konsolidiert. Ja, wenn sich keine drei Anfänge vereinigen, gibt es drei Werte. Wenn sie sich mit dem Geheimnis der Zahlen vereinigen, ergibt es einhundertundelf Werte. Sind vier mal vier getrennt, dann gibt es sechzehn Werte. Treffen jedoch das Geheimnis der Brüderlichkeit mit dem Ziel der Einheit und der Pflicht zur Vereinigung zusammen und kommen... Schulter an Schulter zusammen, dann zeugen zahlreiche historische Ereignisse davon, daß, ebenso wie sie viertausendvierhundertvierundvierzig an Kraft und Wert sind, mit dem Geheimnis der wahren Aufrichtigkeit der Wert und die geistige Kraft von sechzehn opferbereiten Brüdern, mehr als viertausend beträgt."
Gemeint ist hier folgendes: In einer redlichen und aufrichtigen Einheit kann jedes Individuum mit dem Auge des Bruders sehen und mit dessen Ohr hören. So sieht also jeder von zehn Brüdern, die wirklich vereinigt sind, mit zwanzig Augen, denkt mit zehn Gehirnen, hört mit zwanzig Ohren, arbeitet mit zwanzig Händen und verfügt derart über grössere geistige Werte und Kräfte. 11
Eine Vereinigung der Islamischen Welt sowie eine Union der Muslime sind also notwendig. Wie aber muss diese Islamische Union aussehen?

WIE SOLL DIE ISLAMISCHE UNION BESCHAFFEN SEIN?



Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts, die Millionen von Menschen das Leben kosteten, zerstörte und verbrannte Städte, dem Erdboden gleichgemachte Siedlungen und die Konzentrationslager sind ein abstoßendes Beispiel für die Menschheit. Die westliche Welt zog aus diesem historischen Drama einige sehr wichtige Lektionen für die Nachkriegsordnung. Dabei stand ganz an der Spitze die Einsicht, daß einer der wirkungsvollsten Wege, möglichen Problemen der Zukunft leichter und schneller Herr zu werden, ein zu gründendes Bündnissystem sein würde. Bereits vorher hatten sich verschiedene europäische Länder darum bemüht, Bündnisse zu formen, die aber wegen der vom Profit bestimmten Beziehungen und aufgrund ideologischer Differenzen nicht von langer Dauer waren. Allerdings war sich die westliche Welt diesmal klar darüber geworden, daß das zu gründende Bündnis über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit und einen gemeinsamen Verteidigungspakt hinauszugehen hat, und daß eine Einheit im Rahmen der gemeinsamen kulturellen Werte Europas notwendig war. Dies war eine lange und schwierige Phase.
Der Krieg hatte die Ökonomie der starken Staaten Europas in die Knie gezwungen und die Industrie war schwer beschädigt. Man musste die zerstörten Städte neu aufbauen und die Infrastruktur instand setzen. Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien der Siegermächte. Unter diesen Bedingungen war es schwer, die Stabilität aufrechtzuerhalten und eine Union zu bilden. Die im Jahre 1951 geformte Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) war der erste Schritt mit dem Ziel eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Dieses Bündnis, das später zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), dann zur Europäischen Gemeinschaft (EG) und zuletzt zur Europäischen Union (EU) wurde, entwickelte sich zu einer starken Einheit, in der freier Waren- Dienstleistungs- und Kapitalverkehr möglich sind und in der Freizügigkeit, einschliesslich der freien Wahl des Arbeitsplatzes herrschen. Inzwischen existieren Supranationale EU-Institutionen sowie für die EU-Mitgliedsstaaten verbindliche Gesetze und eine gemeinsame Währung. Die Europäische Union ist heute ein geopolitischer Faktor.
Das Modell der Europäischen Union kann als ein beispielhaftes Modell für die zu errichtende Union der Islamischen Welt betrachtet werden.

Die militärische, politische und ökonomische Einheit der Islamischen Welt wird eine bessere Ausnutzung der verfügbaren Ressourcen ermöglichen und es wird zu wesentlichen kulturellen und ökonomischen Entwicklungen kommen.
Die Islamische Konferenz mit ihren 56 Mitgliedsländern ist die weltweit größte Muslimische Organisation, die Muslime unter einem Dach versammelt. Doch auch außerhalb dieser Organisation entstanden zwischen muslimischen Ländern einer Region unterschiedliche Handels- und Militärabkommen sowie regionale Unionen. Allerdings benötigt die Islamische Welt eine umfassendere Union mit einer Repräsentanz, die über die Vollmacht verfügt, bindende Beschlüsse zu fassen, die eine gemeinsame Politik entwickelt und diese mit Bestimmtheit durchsetzt, die eine Stimme für die gesamte Muslimische Welt ist und die sich nicht nur mit den Problemen von Muslimen einer bestimmten Region sondern mit den Problemen aller Muslime befasst, hierfür Lösungen erarbeitet. Der Tätigkeitsbereich dieser Union muß den wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Bereich einschließen. Dank dieser Union werden unter den Muslimischen Ländern Konsens und Kompromissfähigkeit entstehen und der Geist der Solidarität wird sich entwickeln. Auf diese Weise werden zunächst die Sicherheitsprobleme der Mitgliedsländer gelöst werden, während später durch vielseitige Abkommen zur Zusammenarbeit das Wohlstandsniveau der Mitgliedsländer erhöht werden wird. Es wird möglich sein, Strategien zum Wohl der Muslimischen Welt zu entwickeln.
Die Entwicklungen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Palästina, in Bosnien, im Kosovo, und Nagorni Karabach vonstatten gingen, konfrontierte die Muslimische Welt mit grossen Problemen. In diesen Regionen, in denen Tausende von Zivilisten ihr Leben verloren, Kinder zu Waisen wurden und Grausamkeit und Gewalt herrschten, erinnerte das fehlende oder zu späte Eingreifen der westlichen Welt und die Schwerfälligkeit, mit der die notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden, die Muslime ein weiteres Mal an die Verantwortung, die die Islamische Welt zu übernehmen hat. Der Schutz der Muslimischen Bevölkerung und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse ist vor allem anderen die Pflicht der Muslime, und die Islamische Welt ist gezwungen, diesbezüglich in höchstem Maße aktiv zu werden.
Die Muslimischen Länder werden nur dann zu einer Kraft, die die Sicherheit aller Muslime garantieren kann, wenn sie auf der internationalen politischen Plattform mit einer für alle Muslime sprechenden Stimme vertreten sind.
Die Islamische Welt ist gezwungen, sich in militärischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht als ein Block zu formieren. Eine Islamische Welt, die über einen inneren Zusammenhalt verfügt, wird auch das Vertrauen der Weltgemeinschaft haben und den radikalen Elementen und Theorien, die einen Zusammenprall der Kulturen herbeiwünschen, den Boden entziehen.
DER AUFBAU DER ISLAMISCHEN UNION
Die Europäische Union kann der Islamischen Union ein Beispiel sein. Die Besonderheit der Europäischen Union liegt darin, daß sie auf dem Wertekatalog der europäischen Kultur beruht, wobei die nationale Souveränität der Mitgliedsländer und ihre Regierungsform garantiert bleiben, und wobei gleichzeitig ein Wertesystem intrat, das auf der "europäischen Kultur" errichtet ist. Auf der Grundlage dieses Wertesystems wird im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich zusammengearbeitet; auch bestehen zentrale Gesetzgebungs- und Ausführungsorgane, die diese Zusammenarbeit vorwärts bringen.
Die Islamische Union muß ebenfalls über eine Struktur verfügen, die die Unabhängigkeit der Mitgliedsländer, deren Grenzen, sowie die Interessen und Rechte eines jeden Landes schützt. Gleichzeitig müssen Beschluß- und Ausführungsorgane geschaffen werden, die entsprechend der Vision der Vereinigung dieser Länder mit gemeinsamer Islamischer Kultur eine gemeinsam Politik entwickeln und diese umsetzen. Das Ziel ist nicht ein struktureller Zusammenschluss der Staaten, sondern eine Vereinigung im Rahmen gemeinsamer Politik, die auf gemeinsamen Interessen basiert.
Atatürk, der mit seinem modernen Staatsverständnis die Republik Türkei errichtete und diese zur bisher einzigen Demokratie unter den Muslimischen Staaten machte, vertrat Auffassungen, über eine Struktur mit deren Hilfe die Islamische Welt Einheit und Zusammenhalt herbeiführen könnte. Die Richtigkeit der Feststellungen Atatürks, der feststellte, daß eines der wichtigsten Elemente eines Staates dessen nationale Grenzen seien, bewies sich in der Vergangenheit. Wie bekannt ist, ging ein Teil der Völker, die auf osmanischem Boden lebten, nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches eine Einheit mit ausländischen Mächten ein. Diejenigen, die diesen Weg wählten weil sie auf verschiedene Vorteile hofften, fielen unter die Vorherrschaft der Länder, mit denen sie zusammen arbeiteten und wurden kolonialisiert. Einige dieser Völkersandten in den ersten Jahren der Republik Vertreter zu Mustafa Kemal und beschwerten sich über den Mangel an Scharfblick ihrer Führer, die sie in die Abhängigkeit einer Kolonie geführt hatten und einige von ihnen drückten sogar den Wunsch nach einer Union mit der Republik Türkei aus. Die Antwort, die Atatürk auf diesen Vorschlag gab, ist ein wichtiger Hinweis, wie das Fundament einer Islamischen Union auszusehen hat:
Wir empfinden reine Freude darüber, daß die Islamische Welt ebenso geistig wie auch materiell zu einer Union und zu Alliierten wird. Deshalb müssen, ebenso wie wir innerhalb unserer Grenzen unabhängig sind, die Syrer und Iraker als eine unabhängige Kraft, gestützt auf nationale Souveränität, auftauchen. 12
Wie zu erkennen ist, lag für Atatürk die Betonung auf der Unabhängikeit dieser Länder. Atatürk, der sich der Bedeutung der Islamischen Union wohl bewußt war, legte Wert darauf, daß die Mitglieder ihre Unabhängigkeit innerhalb ihrer nationalen Grenzen gewinnen und zu Staaten werden müssten, die sich auf einen nationalen Willen stützen und auf eigenen Beinen stehen können. Erst dann kann die Union die von ihr erwartete Wirkung entfalten. Deshalb ist es auch heute in höchstem Maße wichtig, daß die Mitglieder dieser zu gründenden Organisation ihre Einheit und Unabhängigkeit schützen.
Dank dieser Union werden die Muslime dieser Welt direkt miteinander in Verbindung stehen, die Sorgen eines jeden aus der Nähe kennenlernen und miteinander solidarisch sein. Aller Separatismus, Parteipolitik und ethische Herkunft werden beiseite geschoben werden und der Grundsatz “alle Muslime sind Brüder” wird zur Basis werden. Die Tatsache, daß zwischen den unterschiedlichen Ansichten, Bewertungen und Modellen, die heute in der Islamischen Welt vorherrschen keine Einigkeit besteht, hindert die Muslime an einem gemeinsamen Vorgehen. Der Aufruf dieser Organisation zur Zusammenarbeit wird nicht nach ethnischen Wurzeln, wirtschaftlichen Bedingungen oder geografischer Lage erfolgen; alle Feindschaft, die aus rassischen, sprachlichen und kulturellen Besonderheiten resultiert, wird unter dem Dach dieser Einheit aufgehoben sein. Das Zusammengehörigkeitsverständnis der Union wird sich nicht auf die Überlegenheit einer Gesellschaft oder Kultur über die jeweils andere stützen; vielmehr wird ein solidarischer Geist herrschen, der auf Toleranz, Liebe und Freundschaft basiert, in der alle gleich sind.
Eines der grundlegenden Ziele der Errichtung der Islamischen Union muß die Einrichtung einer zentralen Autorität sein, die den Muslimen generell die Richtung weist. Aus diesem Grund ist für diese Zentrale eine Struktur Bedingung, die alle Muslime anspricht, die also unterschiedliche Ansichten harmonisieren kann. Die Islamische Union muß die grundlegenden Islamischen Werte und Glaubensrichtungen als Norm annehmen, Unterschiede bei der Ausübung und den Ansichten tolerieren und diese Unterschiede in einen kulturellen Reichtum verwandeln. Solche Unterschiede dürfen keinesfalls zu Elementen werden, die eine gemeinsame Beschlußfassung und die tatkräftige Umsetzung des politischen Willens behindern. Alle Streitigkeiten unter den Muslimischen Ländern müssen in dieser Zentrale geklärt und Auseinandersetzungen beseitigt werden. Eine Islamische Welt, die ihre eigenen Probleme selbst lösen kann wird mit Leichtigkeit eine Lösungsmöglichkeit für die Probleme finden, die mit den Mitgliedern anderer Kulturen entstehen. Einem Zentrum, das in dieser Form alle Muslime vereinigt, ist es auch möglich, eine gemeinsame Politik hervorzubringen und diese praktisch durchzuführen.
Ganz am Anfang der zu behandelnden Themen stehen hier politische Probleme wie Palästina, Kaschmir und Irak, die geistige Auseinandersetzung mit dem Terrorismus, Rückständigkeit, Armut, Gesundheitswesen und Erziehung. Dies sind nicht Probleme, die alle Muslime direkt betreffen und für deren Lösung die Solidarität der Islamischen Welt erforderlich ist. Niemand kann sinnvollerweise behaupten, daß die Ereignisse in der Al Aksa Moschee nur die Palästinenser betrifft, daß die den Grausamkeiten ausgesetzten Muslime im Kaschmir sich um sich selbst kümmern sollten, oder daß die Kinder, die in der Islamischen Welt vor dem Verhungern stehen, das Problem des betreffenden Landes sind. Der Glaube der Muslime erlaubt ein solches Denken nicht.
Da jedoch die Muslime bisher keine starke Union errichten konnten, schlagen bei diesen und ähnlichen Themen an ihrer Stelle andere Länder Lösungsmöglichkeiten vor. Diese Vorschläge stimmen nicht mit den Interessen der Muslime überein oder gehen nicht über Pläne mit kurzfristigen Lösungen hinaus. In vielen Regionen, in denen es zu Auseinandersetzungen und Streitigkeiten kommt, ist es hinderlich, daß die Muslime nicht in einer starken Position sind und bei den dargelegten Vorschläge nicht lenkend eingreifen können. Projekte, die den Muslimen als "Friedensplan" vorgelegt werden, enthalten meistens Artikel, die diese in weitere Bedrängnis und Schwierigkeiten bringen. Zum Schutze der Rechte der Muslime ist die Islamische Welt verpflichtet, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln.
Dies setzt jedoch das Vorhandensein einer Zentrale voraus, ebenso wie die Entwicklung von Organen der Beschlussfassung und der Ausführung, und die Gründung aller notwendigen Unterorgane. Die Tätigkeit der Union muss vertrauenerweckend sein, und die Mitglieder müssen sicher sein, daß ihre eigenen Rechte von der Union aufs Beste geschützt werden.
Um sich ändenden politischen Bedingungen anpassen zu können benötigt die Islamische Union Flexibilität; aber sie braucht auch Weitblick um die notwendigen Strategien zu entwickeln. Es ist klar, daß eine Organisation nötig ist, die nicht nur reagiert und sich damit begnügt zu tadeln, sondern die eine aktive, die Initiative ergreifende Institution darstellt. Dieser Zentrale wird die Aufgabe der Kontrolle und Koordination übertragen werden, und deren Aktivitäten müssen die Interessen aller Mitgliedsländer umfassen. Die Union wird alle Entwicklungen in objektiver Weise bewerten und muß alle Forderungen der Islamischen Welt berücksichtigen. Die Islamische Union, die Krisen beilegt, die unter den Mitgliedsländern entstehen können, die Auseinandersetzungen um Profit löst und die als ein Mechanismus wirkt, der die Muslime in ihren Beziehungen zu anderen Gesellschaften schützt, eine solche Islamische Union wird den kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Einfluß der Islamischen Welt erhöhen.
Damit die Islamische Union die Muslime zu einer einzigen Kraft formt und den Muslimischen Ländern Geschlossenheit verschafft, ist es von besonderer Bedeutung, daß die modernen gesellschaftlichen Werte geschützt werden, daß dem Recht und den Menschenrechten Achtung erwiesen wird und daß das demokratische Verständnis als Fundament betrachtet wird. Man darf nicht vergessen, daß diese Werte das Wesen der Islamischen Moral ausmachen.
EINE FRIEDLIEBENDE UND VERSÖHNENDE ISLAMISCHE UNION
Das Ziel der Islamischen Union darf nicht nur Frieden für die Muslime sein, sondern muss Frieden für die gesamte Welt sein; dabei haben Beschlüsse und deren Durchführung von friedliebender und aussöhnender Art zu sein. Das Wesen des Islam ist die gute Moral, die Gott im Quran mitteilte. Diese Moral macht es erforderlich, daß die Gläubigen gütig, verträglich, teilnahmsvoll, tolerant, gerecht, verständnisvoll, geduldig und opferbereit sind. Der Islam lädt die Menschen zu einer Welt voller Ruhe und Frieden ein. Vers 208 der Sure al-Baqara befiehlt folgendermaßen:
O ihr, die ihr glaubt! Gebt euch Gott ganz und gar hin und folgt nicht den Fußstapfen des Satans; siehe, er ist offenkundig euer Feind.
Muslime sind Menschen, die den Befehlen Gottes gehorchen, die sich bemühen die Quranische Moral sorgfältig zu praktizieren, die die Welt verschönern, gestalten und die für Frieden und Ruhe sorgen. Das Ziel ist, den Menschen mit gutem und wohltätigem Verhalten gegenüberzutreten. Muslime bemühen sich, die endlose Barmherzigkeit und Liebe unseres Herrn auch in sich selbst zu manifestieren. Gott zeigt im Quran eine gefällige Moral, die ihrer Umgebung stets zum Vorteil gereicht und die Menschen auf den rechten Weg ruft. In einem Vers wird der Unterschied zwischen Menschen, die ihrer Umwelt nicht von Nutzen sind und Menschen, die sich ständig um das gemeinsame Wohl bemühen dargestellt:

Und noch ein Gleichnis von Gottes von zwei Männern: Der eine ist stumm und zu nichts imstande und für seinen Herrn eine Last und er bringt nicht Gutes, wohin er ihn auch schickt. Ist er etwa dem gleich, der befiehlt, was Rechtens ist, und sich auf dem rechten Weg befindet? (Sure an-Nahl, 76)
Die in diesem Vers mitgeteilte Weisheit muß für die Islamische Union ein Wegweiser sein. Denn die Islamische Union muß das Verständnis von Opferbereitschaft, Brüderlichkeit, Freundschaft, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Treue und Loyalität, das den Menschen die religiöse Moral gewinnen läßt, auf das Beste vertreten.
Die Islamische Moral, die die Ideen der Menschen, deren Meinungsfreiheit und Freiheit des Lebens sichert, verbietet Spannungen unter den Menschen, Streitigkeiten und üble Nachrede. In einer von Muslimen entwickelten Union ist es erforderlich, diese Grundprinzipien als Basis zu nehmen und für den Frieden auf der Welt tätig zu sein.
Die Quranische Moral fordert von den Muslimen, sich von Krieg und allen Auseinandersetzungen fern zu halten, Streitigkeiten durch Beratung und Meinungsaustausch zu schlichten und versöhnlich zu sein. Dem Quran zufolge ist Krieg das letzte Mittel, auf das nur gezwungenermaßen zurückzugreifen ist und das nur innerhalb bestimmter humanitärer und moralischer Grenzen einzusetzen ist. Die Gläubigen bevorzugen bei Problemen stets Frieden und Versöhnung und sind nur dann verpflichtet, Krieg zu führen, wenn sie angegriffen werden.
Dieser Vers erläutert folgendermaßen, daß es die Verderben Stiftenden sind, die auf der Welt Kriege hervorrufen und daß Gott eben diese nicht liebt:
... So oft sie ein Feuer zum Krieg anzünden, wird es Gott verlöschen. Doch auf Erden stiften sie mit Vorliebe Verderben. Gott aber liebt die Verderben Stiftenden nicht. (Sure al-Ma’ida, 64)
Die Verkündung des Quran an den Propheten (s.a.w.s) dauerte ganze 23 Jahre. Die ersten 13 Jahre davon lebten die Muslime als Minderheit in der heidnischen Ordnung von Mekka und waren großer Unterdrückung ausgesetzt. Zahlreiche Muslime wurden gefoltert, manche wurden getötet, Haus und Besitz der meisten wurde geplündert und sie waren ständiger Beschimpfung und Bedrohung ausgesetzt. Trotzdem lebten die Muslime ohne Gewalt anzuwenden weiter und riefen die Heiden zum Frieden auf. Als schließlich der Druck der Heiden nicht mehr auszuhalten war, wanderten die Muslime in die Stadt Yesrib (später Medina) aus, wo sie ein freieres, freundschaftliches Umfeld vorfanden und gründeten dort ihre eigene Herrschaft. Doch auch nachdem sie ihr eigenes politisches System errichtet hatten, führten sie keinen Krieg gegen die angriffslustigen Heiden von Mekka. Die Besonderheit der Islamischen Gesellschaft ist Mäßigung und Ausgeglichenheit, den Menschen Gutes nahezulegen und vor Schlechtem auf der Hut zu sein. In Vers 143 der Sure al-Baqara teilt unser Herr mit, daß die Muslime den Menschen Zeuge und Beispiel sein sollen. In einem anderen Vers wird folgendermaßen mitgeteilt, daß die Muslime eine der Menschheit Glück bringende Gesellschaft sein sollen:
Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen erstand. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Unrechte und glaubt an Gott… (Sure Al-Imran, 110)
Es liegt auf der Hand, daß eine Organisation der Muslime, die die, von Gott im Quran gebotenen Eigenschaften lebt, notwendigerweise zum Beschützer all der guten Moral und deren bester Vertreter wird. Dies zeigt, welche Strategie die Islamische Union verfolgen muß. Sie hat zuerst die Meinungsverschiedenheiten unter den Muslimischen Ländern beizulegen und der Islamischen Welt Frieden zu bringen, muß jedoch auch eine Kraft sein, die den überall auf der Welt Streit und Krieg provozierenden Bewegungen entgegentritt und alle kriegstreibenden Versuche verhindert. Sie hat bei globalen Angelegenheiten, wie dem Kampf gegen den Terrorismus und gegen internationale Kriminalität, die eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit darstellen, sowie bei der Kontrolle von Massenvernichtungswaffen mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, und beim Kampf gegen diese Elemente die Führung zu übernehmen.
ES MUSS EIN ZENTRUM SEIN, DAS PROBLEME LÖST
Das gegenwärtige Umfeld beeinflußt nicht nur die Muslime selbst, sondern zahlreiche unschuldige Menschen überall auf der Welt. Armut, fehlende Moral, unausgewogene Einkommensverteilung, Unterdrückung, Streit und Ungerechtigkeit betreffen Millionen Menschen. Verhungernde Kinder und alte Menschen, die auf der Straße ihrem Schicksal überlassen sind, Flüchtlinge die gezwungen sind, ihr Leben in Zelten oder Baracken zu fristen und Kranke, die wegen Geldmangels nicht behandelt werden können, sind nicht nur das Problem Muslimischer Länder sondern bestehen auch in vielen Ländern, die von sich behaupten, entwickelt zu sein.
Verfolgte, bedürftige Menschen erwarten eine helfende Hand, die sich ihnen entgegenstreckt. In einem Vers wird die Verantwortung, die den dabei Muslimen zufällt folgendermaßen formuliert:
Und was ist mit euch, dass ihr nicht auf Gottes Weg kämpft und für die hilflosen Männer, Frauen und Kinder, die da sprechen: "Unser Herr, führe uns aus dieser Stadt hinaus, deren Einwohner Unterdrücker sind. Und gib uns von Dir einen Beschützer, und gib uns von Dir einen Helfer!" (Sure an-Nisa, 75)
Die Versammlung der Muslimischen Länder unter dem Dach der Islamischen Union wird die Spannungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen genauso beseitigen wie für Meinungsverscheidenheiten unter Muslimen. Heute versuchen westliche Länder und internationale Organisationen, die unter deren Kontrolle stehen, die Auseinandersetzungen zwischen den Muslimen zu schlichten. Doch scheint es auf Dauer unwahrscheinlich zu sein, daß ausländische Mächte, denen Kultur und Geschichte der Muslimischen Länder fremd sind, die Probleme der Islamischen Welt lösen können, wenn sie auch mitunter von Erfolg gekrönt sind. Muslimische Länder sind fähig all ihre Probleme selbst zu lösen. Überdies werden Muslimische Interessen besser von Muslimen vertreten, und das Handeln der Islamischen Welt in Gestalt einer Union ist zudem ein Zeichen von Stärke und Stabilität. Eines der größten Bedrängnisse der Islamischen Welt ist ihre Schwäche, eine gemeinsame Politik zu verfolgen und in Bereichen die sie selbst direkt betrifft, wirksame Strategien zu entwickeln.
Die Islamische Union ist verpflichtet, insbesondere Abhilfe für das Leid der Muslime zu schaffen und die Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten, die diese suchen. Jedes Muslimische Land hat eigene politische, und wirtschaftliche Probleme. Auch in den anderen Regionen der Welt existieren die unterschiedlichsten Probleme. Alle diese Probleme erfordern das Ergreifen von Maßnahmen, die zu individuellen Lösungen führen müssen. Das Grundproblem und die Lösung für dieses Problem ist überall gleich. Viele Entwicklungen, die bei den Menschen Bedrängnis und Unbehagen hervorrufen, resultieren darin, daß die Quranische Moral nicht gelebt wird. Der Grund für die Unfähigkeit zur Problemlösung ist die Tatsache, daß die Ereignisse nicht unter Berücksichtigung des Quran bewertet werden. Die Lösung für alle Probleme liegt in den Werten der Quranischen Moral: Offenheit, praktisches Denken und Weitblick, moralische Tugenden wie Aufrichtigkeit, Opferbereitschaft, Gerechtigkeit und Liebe des Guten.
Tatsächlich besteht ein wichtiger Zusammenhang zwischen der Lösung wirtschaftlicher Probleme und der gesellschaftlichen Moral. In einer Gesellschaft, die die Islamische Moral befolgt, gibt es keine soziale Ungerechtigkeit. Denn Gott gebot den Menschen im Quran, daß sie das, was über ihre Bedürfnisse hinausgeht, mit denjenigen teilen sollen, die bedürftig sind. Verschwendung ist von Gott verboten. Die Quranische Moral gebietet, dass nicht nur bestimmte Menschen von den materiellen Möglichkeiten profitieren und besagt, daß es kein Vorrecht für bestimmte Menschen gibt. Die quranische Moral erfordert Solidarität und befiehlt den Menschen, die Bedürfnisse des anderen zu berücksichtigen. Manche Gläubigen verfügen sogar über eine so aufopferungsbereite Moral, daß sie, auch wenn sie selbst bedürftig sind, ihre Speisen zuerst den Armen und Gefangenen anbieten. Dies tun sie zudem nicht zur Zufriedenheit des anderen, sondern um das Wohlgefallen Gottes zu gewinnen. Im Quran wird dies folgendermaßen mitgeteilt:
Und die den Armen und die Waise und den Gefangenen speisen, auch wenn sie der Nahrung selbst bedürfen. "Seht, wir speisen euch um Gottes willen Wir wollen weder Belohnung von euch noch Dank. (Sure al-Insan, 8-9)
Solidarität und Hilfsbereitschaft unter Individuen kann mit Leichtigkeit auch in internationalen Beziehungen gewährleistet werden. Auch hier weist die Islamische Moral den Mitgliedsländern der Islamischen Union den Weg. Es ist inakzeptabel, daß es auf der einen Seite Länder mit völlig übertriebenem luxuriösen Konsumverhalten gibt, während auf der anderen Seite Tausende von Neugeborenen verhungern. Jeder Mensch, der über ein Gewissen verfügt, empfindet dabei Unbehagen.
Viele wohltätige und internationale Organisationen sind heute tätig, um diesen Ländern zu helfen. Doch diese Unternehmungen gehen nicht über das Versenden von Hilfspaketen in diese Regionen hinaus. Es ist auch meistens nicht möglich, die Hilfe den "richtigen Menschen zukommen zu lassen. Es ist notwendig, die Systemmängel der rückständigen Länder an der Wurzel zu packen. Korruption und organisiertes Verbrechen müssen ausgeschaltet werden, und in der Gesellschaft muss mittels Erziehung ein völlig neues Bewußtsein entwickelt werden: Gestützt auf die vom Quran befohlene Moral wird der Verschwendung vorgebeugt, ein solidarischer Geist entwickelt, die Bereitschaft zum Teilen unter den Menschen gefördert und das Benutzen des Gewissens gelehrt. So wird es möglich werden, wirtschaftliches Ungleichgewicht völlig auszugleichen. Diese Lösungen werden am wirkungsvollsten von der Islamischen Union in der Islamischen Welt ausführt.

DIE RECHTE DES INDIVIDUUMS MÜSSEN RESPEKTIERT WERDEN
In einer Gesellschaft, in der die wahre Islamische Moral vorherrscht, sind Rechte und Freiheit des Individuums von großer Bedeutung. Persönliches Recht und Freiheit werden garantiert. Der Quran macht klar, daß alle Menschen vor Gott gleich sind, und dass Überlegenheit ausschließlich auf Frömmigkeit beruht. Gott befahl den Menschen, anderen gegenüber gerecht, tolerant, verzeihend und verständnisvoll zu sein. Das einzelne Individuum zu achten und gerecht zu verfahren ist ein wichtiges Merkmal der Gläubigen.
Die Ausführungen unseres Propheten in der ersten Islamischen Gesellschaft wurden bezüglich des Aufbaus der Gesellschaft und deren Führung ein Wegweiser für alle Muslime. Die Urkunde von Medina, die als die erste Verfassung der Muslime betrachtet wird und die in Anbetracht der damaligen Bedingungen ein sehr fortschrittliches Rechtsverständnis aufweist, ist ein wichtiges Beispiel für die individuellen Rechte und das Rechtsverständnis der Islamischen Gesellschaft. Mit der Urkunde von Medina erhielten alle Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen in der Stadt grundlegende Rechte und Freiheiten, während Besitz und Leben der Menschen, ihre Familien und ihre Gebetsstätten gesichert waren. Diese Vereinbarung, die das Leben von unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften in einem gemeinsamen politischen System gewährleistete, versöhnte auch die Stämme, die füreinander jahrelang nur Haß und Feindschaft empfunden hatten. Auch außerhalb Medinas wurden die Heiden jederzeit gerecht behandelt und deren Bitten um Schutz und Fürsorge vom Propheten Muhammad (s.a.w.s) angenommen. Der Prophet Muhammad (s.a.w.s) mit seiner weiten Liebe und Barmherzigkeit sah voraus, daß die Beziehungen zwischen den Menschen stets von Freundschaft und Kultiviertheit geprägt sind.


Die Gerechtigkeit, die während der Ausbreitung des Islam in den eroberten Gebieten praktiziert wurde, war allen Gesellschaften ein Beispiel geworden. Dieser Gerechtigkeitssinn, der auch heute zahlreichen westlichen Gelehrten Achtung und Lob abnötigt, war in dieser Zeit für viele Menschen und Völker Anlaß, sich aus eigenem Wunsch der muslimischen Verwaltung zu unterstellen und den Islam anzunehmen. Unser Prophet Muhammad (s.a.w.s) setzte das Gerechtigkeitsverständnis des Quran in der besten Weise um und die ihn beobachtenden Gefährten und späteren Muslime lebten nach der hervorragenden Moral des Propheten (s.a.w.s). Genau wie Gott dieses Verhalten "Und unter denen, die wir erschufen, ist eine Gemeinschaft, welche zur Wahrheit leitet und ihr gemäß gerecht handelt." (Sure al-A'raf, 181) in dem Vers forderte, entstand unter den Menschen eine die Gerechtigkeit sichernde Religionsgemeinschaft.
Tugenden, die der Islam die Menschheit lehrte, sind unter anderen Meinungsfreiheit und Beteiligung an der Verwaltung. Dabei kommt eine der gundlegendsten Befehle des Islam auf sozialem Gebiet, nämlich die Beratung zu Tage. Gott befahl den Muslimen ihre Arbeiten mittels Konsultation zu betreiben, das heißt, vorzugehen, indem sie man einander um Rat fragt.
Und die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten und deren Angelegenheiten (eine Sache) gegenseitiger Beratung ist und die von dem, womit Wir sie versorgten, spenden. (Sure asch-Schura, 38)
Wird mit Beratung vorgegangen, dann haben die Individuen ihr Recht auf Meinung gebraucht, und wenn es Zeit ist eine Entscheidung zu fassen, entsteht die Möglichkeit einer vielseitiger Bewertung. Dabei wird die Fehlerrate reduziert und sichergestellt, daß zielgerichtete Entscheidungen gefasst werden.
Die wichtigste Seite von Konsultationen ist jedoch, daß diejenigen, die unterschiedliche Ansichten vertreten, einander Achtung und Verständnis entgegenbringen. Im Rahmen von Beratungen ist es unwichtig, wessen Meinung Zustimmung findet, sondern daß die richtige Meinung Akzeptanz findet. Der wichtigste Zweck von Beratungen ist die Sicherung des gesegnetsten und treffendsten Entschlusses für eine Gesellschaft. Die Islamische Moral verlangt von den Gläubigen, nicht auf ihren Ansichten zu beharren, sondern sich der Ansicht anzupassen, die dem Gewissen, der Gerechtigkeit und der Wohltätigkeit am nächsten ist, unabhängig davon, von wem der Gedanke stammt. Die Gläubigen haben sich vor dem Beharren auf einer Meinung zu hüten, das auf Stolz und Eigensinn gestützt ist, auf Aussagen wie, "Meine Ansicht soll akzeptiert werden" und "Meine Idee ist richtig". Denn dies sind Verhaltensweisen, die vor Gott keinen Gefallen finden. Wie in dem Vers "... Und über jedem Wissenden gibt es einen noch mehr Wissenden…" (Sure Yusuf, 76) befohlen wurde, muß ein Muslim wissen, daß es zu jeder Zeit jemanden geben kann, der besser Bescheid weiß als er selbst und daß es ein großer Fehler ist zu behaupten, über den treffendsten Gedanken zu verfügen.
Projekte zur Fruchtbarmachung der Wüste spielen eine wichtige Rolle bei der Belebung der Wirtschaft der Muslimischen Welt. Die in Ägypten, Jordanien und Marokko durchgeführten Projekte waren sehr erfolgreich. Die ökonomische Kooperation der Muslimischen Länder bei ähnlichen Projekten wird zu noch besseren Ergebnissen führen.
Auch die Islamische Union kann unter Verwendung des Beratungsrechtes der Muslime auf einer freien politischen Kultur errichtet werden, bei der frei von Druck und Zwang alle Gedanken ausgesprochen werden können, die Rechte von allen Seiten geschützt sind und den Ansichten eines jeden mit Toleranz begegnet wird. Auf diese Weise wird eine Muslimische Gesellschaft unter Führung der Islamischen Union zu einer Gesellschaft werden, in der die Menschen den Ansichten anderer Achtung entgegenbringen und in der Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit vorherrschen und Unterdrückung und Ungerechtigkeit völlig verschwinden. Auf diese Weise wird die Islamische Welt sich nicht darauf beschränken, Ruhe und Sicherheit für die Muslime sicherzustellen, sondern sie wird die Führung der Kultur der Welt übernehmen.
DAS ZIEL IST DIE ENTWICKLUNG DER ISLAMISCHEN WELT
Eines der größten Probleme der Islamischen Welt ist die Rückständigkeit der Mehrheit der Muslimischen Länder. Deshalb muß eines der vorrangigen Ziele der Islamischen Union die Entwicklung der Islamischen Welt und die Lösung der wirtschaftlichen Probleme der armen Länder sein. In allen Muslimischen Ländern muß:

Die Petronas Twin Tower in Malaysia, 452 Meter hoch, sind die zweitgrößten Gebäude der Welt.


- Die Armut bekämpft werden
- Die Investitionstätigkeit gefördert werden, um neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen,
- Für gesellschaftliche Ordnung und Stabilität gesorgt werden
- Die soziale Gerechtigkeit garantiert werden; wirtschaftliche Ungleichgewichte sind aufzuheben,
- Die internationale und regionale Zusammenarbeit und gleichgeartete Beziehungen gestärkt werden Die aus materiellen Unterschieden resultierenden Bedrängnisse der Islamischen Welt sind zu verringern. Die Einheit unter den Muslimischen Ländern auf wirtschaftlichem, politischem und - ganz besonders wichtig - auf kulturellem Gebiet muß für die schnelle Entwicklung der Zurückgebliebenen verwendet werden und Länder mit den erforderlichen infrastrukturellen Möglichkeiten müssen die Gelegenheit erhalten, diese in der gewinnbringendsten Weise zu verwenden.
Die Investitionen in die Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie sind zu erhöhen, denn das Fortschreiten der Technologie sichert ein schnelleres Wirtschaftswachstum. Durch die wirtschaftliche Entwicklung erhöht sich auf natürliche Weise das Bildungsniveau, und die Gesellschaft wird sich vielseitig weiterentwickeln. Das unter dem Dach der Islamischen Union etablierte System fördert das freie Unternehmertum, garantiert individuelle Reisefreiheit ohne Visumspflicht sowie die Freiheit des Handels. Damit wird die Islamische Union der Motor zur schnellen Entwicklung der Islamischen Welt sein.

Die Islamische Moral lehrt die Menschen, Abfall und Ausschweifungen zu vermeiden. Das ist ein Schlüsselelement für soziale Gerechtigkeit in Islamischen Gesellschaften. Soziale Gerechtigkeit im Islam kann etabliert werden durch die vorherrschenden moralischen Werte der Gesellschaft. Deswegen werden ein Leben nach den Werten des Quran und die Einheit des Islam die Islamische Welt prosperieren lassen.

Natürlich sichert diese Entwicklung die schnelle Modernisierung der Muslimischen Länder und das Erreichen des Niveaus von weiterentwickelten Gesellschaften. Doch die Wirtschaftkultur der Muslime wird sich von der teilweise hedonistischen westlichen Wirtschaftskultur unterscheiden. Im Islam gilt ebenso wie im Westen das freie Unternehmertum. Es gibt das Recht auf Privatbesitz und jeder kann Aktivitäten nach seinen Wünschen entfalten. Bei der Verteilung des Gewinns jedoch gewährleistet die Islamische Moral die soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft dadurch, daß die Individuen moralische Verantwortung übernehmen. Die Armen haben Anteil am Gewinn der Reichen; doch dies wird nicht durch Steuern erreicht, die von den Reichen zwangsweise erhoben werden, sondern durch eine freiwillige Gabe, die diese aufgrund ihres Glaubens und mit Billigung ihres Herzens geben. Die soziale Gerechtigkeit im Islam wird nicht dadurch hergestellt, daß sozialistische Systeme ausprobiert werden und wenn diese ohne Erfolg bleiben, zentrale Planung Druck ausübt, sondern mittels der in der Gesellschaft vorherrschenden moralischen Werte. Auch bewahrt die Islamische Moral die Reichen vor übermäßigem Konsum und vor Verschwendung. Dies unterscheidet sich zweifellos von dem materialistischen Gesellschaftsmodell, dessen Individuen nur den Konsum zum Ziel haben, die sich nicht scheuen möglichst egoistisch zu sein und die anderen zu unterdrücken um noch mehr zusammenzuraffen, und in dem den Menschen Achtung und Liebe abhanden gekommen sind. Dieses Gesellschaftsmodell wurde in den letzten zweihundert Jahren zunehmend zum vorherrschenden Modell der westlichen Welt und degenerierte die Menschen dadurch, daß diese von den moralischen Werten der jüdisch-christlichen Tradition Abstand nahmen. Heute bemühen sich die westlichen Länder, die Ergebnisse dieser Degeneration, Rauschgiftsucht, Prostitution, Bestechung, Glücksspiel, Alkohol und organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Außerdem entstand in den westlichen Gesellschaften mit der Abschwächung des religiösen Glaubens eine Sinnkrise in Gestalt des Materialismus, in dessen Brennpunkt lediglich der Gewinn materieller Freuden und Vorteile steht; dieser jedoch befriedigt die Seele der Menschen nicht und führt sie in Leere und Ziellosigkeit. Unter dem Begriff Freiheit wurden die Menschen so zu Sklaven ihrer eigenen Leidenschaften.

Nadir Divan Begi Medrese, 1622, Buchara, Usbekistan.

Die Islamische Moral jedoch rettet die Menschen vor jeder Art von Zweifel und Furcht. Die Gläubigen fürchten sich nur vor Gott und bemühen sich darum, dessen Wohlgefallen zu gewinnen. Sie wissen um ihre Verantwortung gegenüber unserem Herrn, leben zu jeder Zeit so, wie es ihr Gewissen befiehlt und sind aufgrund ihres ruhigen Gewissens entspannt und ausgeglichen. Die Islamische Moral bewahrt die Menschen vor Ansichten und Ängsten wie Eifersucht, Gier, Zukunftsangst und Todesangst, die nicht zur religiösen Moral passen und läßt sie in der Freiheit und Ruhe ihrer Hingabe an Gott leben.
Aus diesem Grund werden Aufstieg und Entwicklung, der Islamischen Union keinesfalls identisch sein mit der Entwicklung des Westens. Die wirtschaftliche Entwicklung des Westens war von großen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten begleitet. Zum Beispiel fand in England, dem Vorreiter der westlichen Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert, eine unglaubliche Ausbeutung statt. Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter waren sehr schlecht. Sogar kleine Kinder im Alter von 7-8 Jahren mussten in schmutzigen Kohlebergwerken täglich 16 Stunden arbeiten und die meisten starben, bevor sie 20 Jahre alt wurden. Es ist bekannt daß das Lebansalter eines Bergwerkarbeiters in Manchester im Durchschnitt auf 17 Jahre sank. 13 Auf der anderen Seite lebten die Reichen in Luxus und Verschwendung. Es ist eine historische Tatsache, daß alle entwickelten westliche Länder diese schmerzhafte Entwicklung durchmachten und dass der Aufstieg des Westens mit der Unterdrückung von Millionen von Menschen bewerkstelligt wurde.
Das Entwicklungsmodell einer Gesellschaft, in der die Islamische Moral vorherrschen wird, wird soziale Gerechtigkeit einschliessen. Die Ungerechtigkeiten des Westens entstanden aus dem falschen Verständnis der menschlichen Natur, der materialistischen Phiolosophie, die zu dieser Zeit im Westen vorherrschte. Die Islamische Moral stellt sicher, daß die Menschen sowohl voller Initiative und unternehmerisch tätig sind aber auch barmherzig, opferbereit und gerecht bleiben. Schon während des ersten großen Aufstiegs der Islamischen Kultur waren die Muslime auf ökonomischen Gebiet weltweit führend. Dieser Reichtum bleib jedoch nicht in Händen einer Gruppe von Privilegierten sondern verbreitete sich entsprechend der Islamischen Moral über die gesamte Gesellschaft. Die Sozialeinrichtungen der Islamischen Kultur wie Armenküchen, Karawanseraien, öffentliche Bäder und Bibliotheken zeigen, daß im Islam Wohlstand und Kultur nicht in der Hand einer Klasse bleiben, sondern sich über die gesamte Gesellschaft verbreiten. Dies ist das Entwicklungsmodell, dem die Islamische Union in unserer Zeit folgen wird.
Ein anderer Punkt, der die Islamische Union betrifft, ist ihre Aufgeschlossenheit. Die Islamische Moral sieht vor, daß Muslime aufgeschlossen sind, das heißt, sich im Austausch mit anderen Kulturen befinden und von deren angehäuftem Wissen profitieren.
Schließlich haben aus diesem Grund Muslimische Gelehrte und Denker der ersten Jahrhunderte des Islam die Werke der alten Griechen, der Chinesen und Inder untersucht, daraus Wissen geschöpft und dann dieses Wissen mit Islamischem Verständnis weiterentwickelt und angereichert. Auch heute ist die Islamische Welt in einer Situation, in der sie insbesondere die westliche Kultur, aber auch die Kulturen anderer entwickelter Länder dieser Welt aus der Nähe untersuchen kann, Nutzen aus deren Wissen ziehen wird, dieses verwenden, umwandeln und weiterentwicklen kann.
Zweifelsohne ist die Isolation der Islamischen Welt von anderen Kulturen eine Methode, die den Muslimen keinen Nutzen gebracht hat. Die Muslime müssen vielmehr alle technologischen Möglichkeiten in geeigneter Weise für die religiöse Moral verwenden. So müssen die Muslime bei Kinofilmen, die eine der Islamischen Moral widersprechende materialistische Moral vertreten, eine eigene Filmindustrie gründen und Filme produzieren, die die Menschen das Richtige und Schöne lehren. Wenn einige Kunstrichtungen negative Elemente enthalten, dann liegt die Lösung darin, diese Kunstrichtung noch schöner und noch prachtvoller und überdies mit Islamischen Inhalt auszustatten. Wenn die Menschen den Prunk der Städte, ihre Sauberkeit, ihren Komfort und deren Lebhaftigkeit bewundern, dann müssen die Muslime noch schönere Städte errichten und die Welt noch schöner machen.

Sher-Dor und Tilla Kari Medrese, Samarkand, Usbekistan.

Sicher ist es den Muslimen möglich, eine Kultur entstehen zu lassen, die der von ihnen zuvor errichteten, aber vergangenen Kultur ähnlich ist. Hierzu ist es notwendig, das Verständnis von Kunst und Ästhetik, das die Quranische Moral mit sich bringt, deren Offenheit, Gerechtigkeit und deren Mäßigung zu leben. Kunst, Kultur und Zivilisation des Islam bringen nicht nur den Muslimen, sondern der gesamten Menschheit Wohlstand. Es werden die größten Bibliotheken der Welt gegründet werden, die prächtigsten Gebäude, die saubersten Straßen, die beleuchtetsten Alleen, die besten Schulen, Krankenhäuser und Universitäten errichtet werden und alle Menschen werden von diesen Möglichkeiten und Schönheiten in gleicher Weise profitieren.
Unter der Führung einer Islamischen Union kann der Wiederaufstieg der Islamischen Kultur sichergestellt werden und das 21. Jahrhundert kann für die Islamische Welt das Jahrhundert der Erleuchtung sein. In dieser Zeit, in der die Globalisierung mit jedem Tag an Geschwindigkeit zunimmt, müssen die muslimischen Länder untereinander jegliches Hindernis beseitigen, in Wissenschaft, Technologie und Handel gemeinsame Projekte durchführen und zum Nutzen der Islamischen Union als Einheit vorgehen.

Malaysia

Für die Muslime ist die Welt nicht in die zwei Lager “westliche Welt” und “Islamische Welt” getrennt. Insbesondere gehören die Bewohner der westlichen Welt zum Großteil den Buchreligionen an und teilen deswegen zahlreiche Glaubensinhalte und moralische Werte mit den Muslimen. Deshalb entsprechen viele Elemente der westlichen Welt – Glaubensfreiheit, Demokratie und der Wert der Familie – dem Wesen nach der Islamischen Moral. Viele Menschen im Westen haben bereits den Islam gewählt und diese Entwicklung setzt sich fort. Wenn man bedenkt, daß bis heute die Islamische Moral im Westen in aller Regel falsch dargestellt wurde, dann ist abzusehen, daß in Zukunft noch mehr Menschen im Westen zum Islam konvertieren. Die Muslime müssen dem Westen und dessen Kultur deshalb auch unter diesem Blickwinkel gegenübertreten. Nicht zu vergessen ist, daß so manche Kreise der westlichen Welt, die in den letzten zweihundert Jahren unter dem Einfluß des Materialismus standen, die Notwendigkeit erkannt haben, den richtigen Weg zu gehen und daß hieraus eine Verantwortung für die Muslime entsteht.



Ubudiah Moschee, Malaysia.
DIE MENSCHEN KÖNNEN NUR MIT DER LIEBE ZU ALLAH BEHAGLICHKEIT FINDEN
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