Der Krieg hatte die Ökonomie der starken Staaten Europas in die Knie gezwungen und die Industrie war schwer beschädigt. Man musste die zerstörten Städte neu aufbauen und die Infrastruktur instand setzen. Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien der Siegermächte. Unter diesen Bedingungen war es schwer, die Stabilität aufrechtzuerhalten und eine Union zu bilden. Die im Jahre 1951 geformte Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) war der erste Schritt mit dem Ziel eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Dieses Bündnis, das später zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), dann zur Europäischen Gemeinschaft (EG) und zuletzt zur Europäischen Union (EU) wurde, entwickelte sich zu einer starken Einheit, in der freier Waren- Dienstleistungs- und Kapitalverkehr möglich sind und in der Freizügigkeit, einschliesslich der freien Wahl des Arbeitsplatzes herrschen. Inzwischen existieren Supranationale EU-Institutionen sowie für die EU-Mitgliedsstaaten verbindliche Gesetze und eine gemeinsame Währung. Die Europäische Union ist heute ein geopolitischer Faktor.
Das Modell der Europäischen Union kann als ein beispielhaftes Modell für die zu errichtende Union der Islamischen Welt betrachtet werden.
Die militärische, politische und ökonomische Einheit der Islamischen Welt wird eine bessere Ausnutzung der verfügbaren Ressourcen ermöglichen und es wird zu wesentlichen kulturellen und ökonomischen Entwicklungen kommen. |
Die Muslimischen Länder werden nur dann zu einer Kraft, die die Sicherheit aller Muslime garantieren kann, wenn sie auf der internationalen politischen Plattform mit einer für alle Muslime sprechenden Stimme vertreten sind.
Die Islamische Welt ist gezwungen, sich in militärischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht als ein Block zu formieren. Eine Islamische Welt, die über einen inneren Zusammenhalt verfügt, wird auch das Vertrauen der Weltgemeinschaft haben und den radikalen Elementen und Theorien, die einen Zusammenprall der Kulturen herbeiwünschen, den Boden entziehen.
Die Islamische Union muß ebenfalls über eine Struktur verfügen, die die Unabhängigkeit der Mitgliedsländer, deren Grenzen, sowie die Interessen und Rechte eines jeden Landes schützt. Gleichzeitig müssen Beschluß- und Ausführungsorgane geschaffen werden, die entsprechend der Vision der Vereinigung dieser Länder mit gemeinsamer Islamischer Kultur eine gemeinsam Politik entwickeln und diese umsetzen. Das Ziel ist nicht ein struktureller Zusammenschluss der Staaten, sondern eine Vereinigung im Rahmen gemeinsamer Politik, die auf gemeinsamen Interessen basiert.
Atatürk, der mit seinem modernen Staatsverständnis die Republik Türkei errichtete und diese zur bisher einzigen Demokratie unter den Muslimischen Staaten machte, vertrat Auffassungen, über eine Struktur mit deren Hilfe die Islamische Welt Einheit und Zusammenhalt herbeiführen könnte. Die Richtigkeit der Feststellungen Atatürks, der feststellte, daß eines der wichtigsten Elemente eines Staates dessen nationale Grenzen seien, bewies sich in der Vergangenheit. Wie bekannt ist, ging ein Teil der Völker, die auf osmanischem Boden lebten, nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches eine Einheit mit ausländischen Mächten ein. Diejenigen, die diesen Weg wählten weil sie auf verschiedene Vorteile hofften, fielen unter die Vorherrschaft der Länder, mit denen sie zusammen arbeiteten und wurden kolonialisiert. Einige dieser Völkersandten in den ersten Jahren der Republik Vertreter zu Mustafa Kemal und beschwerten sich über den Mangel an Scharfblick ihrer Führer, die sie in die Abhängigkeit einer Kolonie geführt hatten und einige von ihnen drückten sogar den Wunsch nach einer Union mit der Republik Türkei aus. Die Antwort, die Atatürk auf diesen Vorschlag gab, ist ein wichtiger Hinweis, wie das Fundament einer Islamischen Union auszusehen hat:
Wir empfinden reine Freude darüber, daß die Islamische Welt ebenso geistig wie auch materiell zu einer Union und zu Alliierten wird. Deshalb müssen, ebenso wie wir innerhalb unserer Grenzen unabhängig sind, die Syrer und Iraker als eine unabhängige Kraft, gestützt auf nationale Souveränität, auftauchen. 12
Wie zu erkennen ist, lag für Atatürk die Betonung auf der Unabhängikeit dieser Länder. Atatürk, der sich der Bedeutung der Islamischen Union wohl bewußt war, legte Wert darauf, daß die Mitglieder ihre Unabhängigkeit innerhalb ihrer nationalen Grenzen gewinnen und zu Staaten werden müssten, die sich auf einen nationalen Willen stützen und auf eigenen Beinen stehen können. Erst dann kann die Union die von ihr erwartete Wirkung entfalten. Deshalb ist es auch heute in höchstem Maße wichtig, daß die Mitglieder dieser zu gründenden Organisation ihre Einheit und Unabhängigkeit schützen.
Dank dieser Union werden die Muslime dieser Welt direkt miteinander in Verbindung stehen, die Sorgen eines jeden aus der Nähe kennenlernen und miteinander solidarisch sein. Aller Separatismus, Parteipolitik und ethische Herkunft werden beiseite geschoben werden und der Grundsatz “alle Muslime sind Brüder” wird zur Basis werden. Die Tatsache, daß zwischen den unterschiedlichen Ansichten, Bewertungen und Modellen, die heute in der Islamischen Welt vorherrschen keine Einigkeit besteht, hindert die Muslime an einem gemeinsamen Vorgehen. Der Aufruf dieser Organisation zur Zusammenarbeit wird nicht nach ethnischen Wurzeln, wirtschaftlichen Bedingungen oder geografischer Lage erfolgen; alle Feindschaft, die aus rassischen, sprachlichen und kulturellen Besonderheiten resultiert, wird unter dem Dach dieser Einheit aufgehoben sein. Das Zusammengehörigkeitsverständnis der Union wird sich nicht auf die Überlegenheit einer Gesellschaft oder Kultur über die jeweils andere stützen; vielmehr wird ein solidarischer Geist herrschen, der auf Toleranz, Liebe und Freundschaft basiert, in der alle gleich sind.
Eines der grundlegenden Ziele der Errichtung der Islamischen Union muß die Einrichtung einer zentralen Autorität sein, die den Muslimen generell die Richtung weist. Aus diesem Grund ist für diese Zentrale eine Struktur Bedingung, die alle Muslime anspricht, die also unterschiedliche Ansichten harmonisieren kann. Die Islamische Union muß die grundlegenden Islamischen Werte und Glaubensrichtungen als Norm annehmen, Unterschiede bei der Ausübung und den Ansichten tolerieren und diese Unterschiede in einen kulturellen Reichtum verwandeln. Solche Unterschiede dürfen keinesfalls zu Elementen werden, die eine gemeinsame Beschlußfassung und die tatkräftige Umsetzung des politischen Willens behindern. Alle Streitigkeiten unter den Muslimischen Ländern müssen in dieser Zentrale geklärt und Auseinandersetzungen beseitigt werden. Eine Islamische Welt, die ihre eigenen Probleme selbst lösen kann wird mit Leichtigkeit eine Lösungsmöglichkeit für die Probleme finden, die mit den Mitgliedern anderer Kulturen entstehen. Einem Zentrum, das in dieser Form alle Muslime vereinigt, ist es auch möglich, eine gemeinsame Politik hervorzubringen und diese praktisch durchzuführen.
Ganz am Anfang der zu behandelnden Themen stehen hier politische Probleme wie Palästina, Kaschmir und Irak, die geistige Auseinandersetzung mit dem Terrorismus, Rückständigkeit, Armut, Gesundheitswesen und Erziehung. Dies sind nicht Probleme, die alle Muslime direkt betreffen und für deren Lösung die Solidarität der Islamischen Welt erforderlich ist. Niemand kann sinnvollerweise behaupten, daß die Ereignisse in der Al Aksa Moschee nur die Palästinenser betrifft, daß die den Grausamkeiten ausgesetzten Muslime im Kaschmir sich um sich selbst kümmern sollten, oder daß die Kinder, die in der Islamischen Welt vor dem Verhungern stehen, das Problem des betreffenden Landes sind. Der Glaube der Muslime erlaubt ein solches Denken nicht.
Da jedoch die Muslime bisher keine starke Union errichten konnten, schlagen bei diesen und ähnlichen Themen an ihrer Stelle andere Länder Lösungsmöglichkeiten vor. Diese Vorschläge stimmen nicht mit den Interessen der Muslime überein oder gehen nicht über Pläne mit kurzfristigen Lösungen hinaus. In vielen Regionen, in denen es zu Auseinandersetzungen und Streitigkeiten kommt, ist es hinderlich, daß die Muslime nicht in einer starken Position sind und bei den dargelegten Vorschläge nicht lenkend eingreifen können. Projekte, die den Muslimen als "Friedensplan" vorgelegt werden, enthalten meistens Artikel, die diese in weitere Bedrängnis und Schwierigkeiten bringen. Zum Schutze der Rechte der Muslime ist die Islamische Welt verpflichtet, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln.
Dies setzt jedoch das Vorhandensein einer Zentrale voraus, ebenso wie die Entwicklung von Organen der Beschlussfassung und der Ausführung, und die Gründung aller notwendigen Unterorgane. Die Tätigkeit der Union muss vertrauenerweckend sein, und die Mitglieder müssen sicher sein, daß ihre eigenen Rechte von der Union aufs Beste geschützt werden.
Um sich ändenden politischen Bedingungen anpassen zu können benötigt die Islamische Union Flexibilität; aber sie braucht auch Weitblick um die notwendigen Strategien zu entwickeln. Es ist klar, daß eine Organisation nötig ist, die nicht nur reagiert und sich damit begnügt zu tadeln, sondern die eine aktive, die Initiative ergreifende Institution darstellt. Dieser Zentrale wird die Aufgabe der Kontrolle und Koordination übertragen werden, und deren Aktivitäten müssen die Interessen aller Mitgliedsländer umfassen. Die Union wird alle Entwicklungen in objektiver Weise bewerten und muß alle Forderungen der Islamischen Welt berücksichtigen. Die Islamische Union, die Krisen beilegt, die unter den Mitgliedsländern entstehen können, die Auseinandersetzungen um Profit löst und die als ein Mechanismus wirkt, der die Muslime in ihren Beziehungen zu anderen Gesellschaften schützt, eine solche Islamische Union wird den kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Einfluß der Islamischen Welt erhöhen.
Damit die Islamische Union die Muslime zu einer einzigen Kraft formt und den Muslimischen Ländern Geschlossenheit verschafft, ist es von besonderer Bedeutung, daß die modernen gesellschaftlichen Werte geschützt werden, daß dem Recht und den Menschenrechten Achtung erwiesen wird und daß das demokratische Verständnis als Fundament betrachtet wird. Man darf nicht vergessen, daß diese Werte das Wesen der Islamischen Moral ausmachen.
O ihr, die ihr glaubt! Gebt euch Gott ganz und gar hin und folgt nicht den Fußstapfen des Satans; siehe, er ist offenkundig euer Feind.
Muslime sind Menschen, die den Befehlen Gottes gehorchen, die sich bemühen die Quranische Moral sorgfältig zu praktizieren, die die Welt verschönern, gestalten und die für Frieden und Ruhe sorgen. Das Ziel ist, den Menschen mit gutem und wohltätigem Verhalten gegenüberzutreten. Muslime bemühen sich, die endlose Barmherzigkeit und Liebe unseres Herrn auch in sich selbst zu manifestieren. Gott zeigt im Quran eine gefällige Moral, die ihrer Umgebung stets zum Vorteil gereicht und die Menschen auf den rechten Weg ruft. In einem Vers wird der Unterschied zwischen Menschen, die ihrer Umwelt nicht von Nutzen sind und Menschen, die sich ständig um das gemeinsame Wohl bemühen dargestellt:
Die Islamische Moral, die die Ideen der Menschen, deren Meinungsfreiheit und Freiheit des Lebens sichert, verbietet Spannungen unter den Menschen, Streitigkeiten und üble Nachrede. In einer von Muslimen entwickelten Union ist es erforderlich, diese Grundprinzipien als Basis zu nehmen und für den Frieden auf der Welt tätig zu sein.
Die Quranische Moral fordert von den Muslimen, sich von Krieg und allen Auseinandersetzungen fern zu halten, Streitigkeiten durch Beratung und Meinungsaustausch zu schlichten und versöhnlich zu sein. Dem Quran zufolge ist Krieg das letzte Mittel, auf das nur gezwungenermaßen zurückzugreifen ist und das nur innerhalb bestimmter humanitärer und moralischer Grenzen einzusetzen ist. Die Gläubigen bevorzugen bei Problemen stets Frieden und Versöhnung und sind nur dann verpflichtet, Krieg zu führen, wenn sie angegriffen werden.
Dieser Vers erläutert folgendermaßen, daß es die Verderben Stiftenden sind, die auf der Welt Kriege hervorrufen und daß Gott eben diese nicht liebt:
Verfolgte, bedürftige Menschen erwarten eine helfende Hand, die sich ihnen entgegenstreckt. In einem Vers wird die Verantwortung, die den dabei Muslimen zufällt folgendermaßen formuliert:
Die Islamische Union ist verpflichtet, insbesondere Abhilfe für das Leid der Muslime zu schaffen und die Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten, die diese suchen. Jedes Muslimische Land hat eigene politische, und wirtschaftliche Probleme. Auch in den anderen Regionen der Welt existieren die unterschiedlichsten Probleme. Alle diese Probleme erfordern das Ergreifen von Maßnahmen, die zu individuellen Lösungen führen müssen. Das Grundproblem und die Lösung für dieses Problem ist überall gleich. Viele Entwicklungen, die bei den Menschen Bedrängnis und Unbehagen hervorrufen, resultieren darin, daß die Quranische Moral nicht gelebt wird. Der Grund für die Unfähigkeit zur Problemlösung ist die Tatsache, daß die Ereignisse nicht unter Berücksichtigung des Quran bewertet werden. Die Lösung für alle Probleme liegt in den Werten der Quranischen Moral: Offenheit, praktisches Denken und Weitblick, moralische Tugenden wie Aufrichtigkeit, Opferbereitschaft, Gerechtigkeit und Liebe des Guten.
Tatsächlich besteht ein wichtiger Zusammenhang zwischen der Lösung wirtschaftlicher Probleme und der gesellschaftlichen Moral. In einer Gesellschaft, die die Islamische Moral befolgt, gibt es keine soziale Ungerechtigkeit. Denn Gott gebot den Menschen im Quran, daß sie das, was über ihre Bedürfnisse hinausgeht, mit denjenigen teilen sollen, die bedürftig sind. Verschwendung ist von Gott verboten. Die Quranische Moral gebietet, dass nicht nur bestimmte Menschen von den materiellen Möglichkeiten profitieren und besagt, daß es kein Vorrecht für bestimmte Menschen gibt. Die quranische Moral erfordert Solidarität und befiehlt den Menschen, die Bedürfnisse des anderen zu berücksichtigen. Manche Gläubigen verfügen sogar über eine so aufopferungsbereite Moral, daß sie, auch wenn sie selbst bedürftig sind, ihre Speisen zuerst den Armen und Gefangenen anbieten. Dies tun sie zudem nicht zur Zufriedenheit des anderen, sondern um das Wohlgefallen Gottes zu gewinnen. Im Quran wird dies folgendermaßen mitgeteilt:
Viele wohltätige und internationale Organisationen sind heute tätig, um diesen Ländern zu helfen. Doch diese Unternehmungen gehen nicht über das Versenden von Hilfspaketen in diese Regionen hinaus. Es ist auch meistens nicht möglich, die Hilfe den "richtigen Menschen zukommen zu lassen. Es ist notwendig, die Systemmängel der rückständigen Länder an der Wurzel zu packen. Korruption und organisiertes Verbrechen müssen ausgeschaltet werden, und in der Gesellschaft muss mittels Erziehung ein völlig neues Bewußtsein entwickelt werden: Gestützt auf die vom Quran befohlene Moral wird der Verschwendung vorgebeugt, ein solidarischer Geist entwickelt, die Bereitschaft zum Teilen unter den Menschen gefördert und das Benutzen des Gewissens gelehrt. So wird es möglich werden, wirtschaftliches Ungleichgewicht völlig auszugleichen. Diese Lösungen werden am wirkungsvollsten von der Islamischen Union in der Islamischen Welt ausführt.
Die Ausführungen unseres Propheten in der ersten Islamischen Gesellschaft wurden bezüglich des Aufbaus der Gesellschaft und deren Führung ein Wegweiser für alle Muslime. Die Urkunde von Medina, die als die erste Verfassung der Muslime betrachtet wird und die in Anbetracht der damaligen Bedingungen ein sehr fortschrittliches Rechtsverständnis aufweist, ist ein wichtiges Beispiel für die individuellen Rechte und das Rechtsverständnis der Islamischen Gesellschaft. Mit der Urkunde von Medina erhielten alle Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen in der Stadt grundlegende Rechte und Freiheiten, während Besitz und Leben der Menschen, ihre Familien und ihre Gebetsstätten gesichert waren. Diese Vereinbarung, die das Leben von unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften in einem gemeinsamen politischen System gewährleistete, versöhnte auch die Stämme, die füreinander jahrelang nur Haß und Feindschaft empfunden hatten. Auch außerhalb Medinas wurden die Heiden jederzeit gerecht behandelt und deren Bitten um Schutz und Fürsorge vom Propheten Muhammad (s.a.w.s) angenommen. Der Prophet Muhammad (s.a.w.s) mit seiner weiten Liebe und Barmherzigkeit sah voraus, daß die Beziehungen zwischen den Menschen stets von Freundschaft und Kultiviertheit geprägt sind.
Tugenden, die der Islam die Menschheit lehrte, sind unter anderen Meinungsfreiheit und Beteiligung an der Verwaltung. Dabei kommt eine der gundlegendsten Befehle des Islam auf sozialem Gebiet, nämlich die Beratung zu Tage. Gott befahl den Muslimen ihre Arbeiten mittels Konsultation zu betreiben, das heißt, vorzugehen, indem sie man einander um Rat fragt.
Die wichtigste Seite von Konsultationen ist jedoch, daß diejenigen, die unterschiedliche Ansichten vertreten, einander Achtung und Verständnis entgegenbringen. Im Rahmen von Beratungen ist es unwichtig, wessen Meinung Zustimmung findet, sondern daß die richtige Meinung Akzeptanz findet. Der wichtigste Zweck von Beratungen ist die Sicherung des gesegnetsten und treffendsten Entschlusses für eine Gesellschaft. Die Islamische Moral verlangt von den Gläubigen, nicht auf ihren Ansichten zu beharren, sondern sich der Ansicht anzupassen, die dem Gewissen, der Gerechtigkeit und der Wohltätigkeit am nächsten ist, unabhängig davon, von wem der Gedanke stammt. Die Gläubigen haben sich vor dem Beharren auf einer Meinung zu hüten, das auf Stolz und Eigensinn gestützt ist, auf Aussagen wie, "Meine Ansicht soll akzeptiert werden" und "Meine Idee ist richtig". Denn dies sind Verhaltensweisen, die vor Gott keinen Gefallen finden. Wie in dem Vers "... Und über jedem Wissenden gibt es einen noch mehr Wissenden…" (Sure Yusuf, 76) befohlen wurde, muß ein Muslim wissen, daß es zu jeder Zeit jemanden geben kann, der besser Bescheid weiß als er selbst und daß es ein großer Fehler ist zu behaupten, über den treffendsten Gedanken zu verfügen.
Projekte zur Fruchtbarmachung der Wüste spielen eine wichtige Rolle bei der Belebung der Wirtschaft der Muslimischen Welt. Die in Ägypten, Jordanien und Marokko durchgeführten Projekte waren sehr erfolgreich. Die ökonomische Kooperation der Muslimischen Länder bei ähnlichen Projekten wird zu noch besseren Ergebnissen führen. |
Die Petronas Twin Tower in Malaysia, 452 Meter hoch, sind die zweitgrößten Gebäude der Welt. |
- Die Investitionstätigkeit gefördert werden, um neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen,
- Für gesellschaftliche Ordnung und Stabilität gesorgt werden
- Die soziale Gerechtigkeit garantiert werden; wirtschaftliche Ungleichgewichte sind aufzuheben,
- Die internationale und regionale Zusammenarbeit und gleichgeartete Beziehungen gestärkt werden Die aus materiellen Unterschieden resultierenden Bedrängnisse der Islamischen Welt sind zu verringern. Die Einheit unter den Muslimischen Ländern auf wirtschaftlichem, politischem und - ganz besonders wichtig - auf kulturellem Gebiet muß für die schnelle Entwicklung der Zurückgebliebenen verwendet werden und Länder mit den erforderlichen infrastrukturellen Möglichkeiten müssen die Gelegenheit erhalten, diese in der gewinnbringendsten Weise zu verwenden.
Die Investitionen in die Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie sind zu erhöhen, denn das Fortschreiten der Technologie sichert ein schnelleres Wirtschaftswachstum. Durch die wirtschaftliche Entwicklung erhöht sich auf natürliche Weise das Bildungsniveau, und die Gesellschaft wird sich vielseitig weiterentwickeln. Das unter dem Dach der Islamischen Union etablierte System fördert das freie Unternehmertum, garantiert individuelle Reisefreiheit ohne Visumspflicht sowie die Freiheit des Handels. Damit wird die Islamische Union der Motor zur schnellen Entwicklung der Islamischen Welt sein.
Die Islamische Moral lehrt die Menschen, Abfall und Ausschweifungen zu vermeiden. Das ist ein Schlüsselelement für soziale Gerechtigkeit in Islamischen Gesellschaften. Soziale Gerechtigkeit im Islam kann etabliert werden durch die vorherrschenden moralischen Werte der Gesellschaft. Deswegen werden ein Leben nach den Werten des Quran und die Einheit des Islam die Islamische Welt prosperieren lassen. |
Nadir Divan Begi Medrese, 1622, Buchara, Usbekistan. |
Aus diesem Grund werden Aufstieg und Entwicklung, der Islamischen Union keinesfalls identisch sein mit der Entwicklung des Westens. Die wirtschaftliche Entwicklung des Westens war von großen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten begleitet. Zum Beispiel fand in England, dem Vorreiter der westlichen Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert, eine unglaubliche Ausbeutung statt. Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter waren sehr schlecht. Sogar kleine Kinder im Alter von 7-8 Jahren mussten in schmutzigen Kohlebergwerken täglich 16 Stunden arbeiten und die meisten starben, bevor sie 20 Jahre alt wurden. Es ist bekannt daß das Lebansalter eines Bergwerkarbeiters in Manchester im Durchschnitt auf 17 Jahre sank. 13 Auf der anderen Seite lebten die Reichen in Luxus und Verschwendung. Es ist eine historische Tatsache, daß alle entwickelten westliche Länder diese schmerzhafte Entwicklung durchmachten und dass der Aufstieg des Westens mit der Unterdrückung von Millionen von Menschen bewerkstelligt wurde.
Das Entwicklungsmodell einer Gesellschaft, in der die Islamische Moral vorherrschen wird, wird soziale Gerechtigkeit einschliessen. Die Ungerechtigkeiten des Westens entstanden aus dem falschen Verständnis der menschlichen Natur, der materialistischen Phiolosophie, die zu dieser Zeit im Westen vorherrschte. Die Islamische Moral stellt sicher, daß die Menschen sowohl voller Initiative und unternehmerisch tätig sind aber auch barmherzig, opferbereit und gerecht bleiben. Schon während des ersten großen Aufstiegs der Islamischen Kultur waren die Muslime auf ökonomischen Gebiet weltweit führend. Dieser Reichtum bleib jedoch nicht in Händen einer Gruppe von Privilegierten sondern verbreitete sich entsprechend der Islamischen Moral über die gesamte Gesellschaft. Die Sozialeinrichtungen der Islamischen Kultur wie Armenküchen, Karawanseraien, öffentliche Bäder und Bibliotheken zeigen, daß im Islam Wohlstand und Kultur nicht in der Hand einer Klasse bleiben, sondern sich über die gesamte Gesellschaft verbreiten. Dies ist das Entwicklungsmodell, dem die Islamische Union in unserer Zeit folgen wird.
Ein anderer Punkt, der die Islamische Union betrifft, ist ihre Aufgeschlossenheit. Die Islamische Moral sieht vor, daß Muslime aufgeschlossen sind, das heißt, sich im Austausch mit anderen Kulturen befinden und von deren angehäuftem Wissen profitieren.
Schließlich haben aus diesem Grund Muslimische Gelehrte und Denker der ersten Jahrhunderte des Islam die Werke der alten Griechen, der Chinesen und Inder untersucht, daraus Wissen geschöpft und dann dieses Wissen mit Islamischem Verständnis weiterentwickelt und angereichert. Auch heute ist die Islamische Welt in einer Situation, in der sie insbesondere die westliche Kultur, aber auch die Kulturen anderer entwickelter Länder dieser Welt aus der Nähe untersuchen kann, Nutzen aus deren Wissen ziehen wird, dieses verwenden, umwandeln und weiterentwicklen kann.
Zweifelsohne ist die Isolation der Islamischen Welt von anderen Kulturen eine Methode, die den Muslimen keinen Nutzen gebracht hat. Die Muslime müssen vielmehr alle technologischen Möglichkeiten in geeigneter Weise für die religiöse Moral verwenden. So müssen die Muslime bei Kinofilmen, die eine der Islamischen Moral widersprechende materialistische Moral vertreten, eine eigene Filmindustrie gründen und Filme produzieren, die die Menschen das Richtige und Schöne lehren. Wenn einige Kunstrichtungen negative Elemente enthalten, dann liegt die Lösung darin, diese Kunstrichtung noch schöner und noch prachtvoller und überdies mit Islamischen Inhalt auszustatten. Wenn die Menschen den Prunk der Städte, ihre Sauberkeit, ihren Komfort und deren Lebhaftigkeit bewundern, dann müssen die Muslime noch schönere Städte errichten und die Welt noch schöner machen.
Sher-Dor und Tilla Kari Medrese, Samarkand, Usbekistan. |
Unter der Führung einer Islamischen Union kann der Wiederaufstieg der Islamischen Kultur sichergestellt werden und das 21. Jahrhundert kann für die Islamische Welt das Jahrhundert der Erleuchtung sein. In dieser Zeit, in der die Globalisierung mit jedem Tag an Geschwindigkeit zunimmt, müssen die muslimischen Länder untereinander jegliches Hindernis beseitigen, in Wissenschaft, Technologie und Handel gemeinsame Projekte durchführen und zum Nutzen der Islamischen Union als Einheit vorgehen.
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